Kalkulierter Rausch
Scheibchenweise geht das bei den Tiroler Festspielen. Und den Überblick haben eigentlich alle verloren, die nicht regelmäßig im Saal des Innsbrucker Gerichts dabei sind. Eine der Entscheidungen in Sachen Gustav Kuhn sticht heraus: Sexuelle Übergriffe in Erl hat die Gleichbehandlungskommission inzwischen bestätigt, rechtliche Wirkung hat das (noch) nicht. In den letzten Wochen der alten Ära, die von Kuhns Ex-Adlatus Andreas Leisner als Interimsintendant betreut wird, ist ohnehin die Perestroika angebrochen. Die Regiesprache betrifft das, aber auch die Besetzungspolitik.
Eine «Aida» fast nur in Frauenhand – ein Schelm, wem da nicht eine Art Ablassversuch schwant.
Daniela Kerck (Regie, Bühne) denkt gar nicht daran, zwei Völker aufeinanderprallen zu lassen. Im kühlen Einheitsraum, der gern mit genau gezirkelten Stuhlreihen bestückt wird, erzählt sie vom Kampf zwischen den Geschlechtern. Von Vergewaltigung der Sklavinnen durch die Guerillatruppe um Ramfis, von der Engstirnigkeit und Kriegsbesoffenheit der Kerle, von einer Welt, aus der es für Aida und Radamès kein Entrinnen gibt. «Nicht ihr Frauen verfügt über euren Leib, sondern der Mann»: Mit projizierten Sprüchen wird dem hier ...
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Opernwelt September/Oktober 2019
Rubrik: Panorama, Seite 62
von Markus Thiel
Gutes Musiktheater spult Ereignisse nicht einfach ab – ein Meisterwerk kommt erst zustande, wenn es emotionale Wucht entfaltet. Dass die nötigen Zutaten in den konfliktgespickten Lebensläufen berühmter Maler schon bereitliegen, hat etwa Hindemith am Beispiel Matthias Grünewalds («Mathis der Maler») gezeigt. Jetzt befasste sich in Sydney ein neuer Zweiakter von...
Neulich hatte ich einen merkwürdigen (Tag-)Traum. Ich träumte, ich wäre Marcello Mastroianni, führe mit einem Zug durch die Landschaft und träfe im Speisewagen eine bildhübsche Frau, die so aussah wie Sophie Marceau in dem Filmkrimi «Fluchtpunkt Nizza». Wir plauderten eine Weile, schließlich überredete die schöne Fremde mich, mit ihr an der nächsten Station...
JUBILARE
Adam Fischer studierte Komposition und Dirigieren in seiner Geburtsstadt Budapest sowie bei Hans Swarowsky in Wien. 1973 gewann er den 1. Preis des Cantelli-Wettbewerbs in Mailand und wurde daraufhin als Korrepetitor an die Grazer Oper verpflichtet. Nach Stationen als Erster Kapellmeister in Helsinki, Karlsruhe und München war er GMD in Freiburg...
