Kabinettstück

Prokofjew: Der feurige Engel
Rom | Teatro dell’Opera

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Die Frage nach dem feurigen Engel ist keine, die durch Magie, Wissenschaft oder Theologie beantwortet werden kann. Er ist Symbol, genauer: projizierter Fixstern im jungen Leben Renatas. In Kindertagen war er ihr (einziger?) imaginierter Spielkamerad, in der Pubertät mutierte er zum angstbesetzten, unkontrollierbaren Zerrbild körperlicher Begierden. Dämonisierte Sexualität also, die wie ein Irrlicht in ihrer Seele flackert und Renata im realen Leben zu einem zerrissenen, liebesunfähigen Wesen macht.

Regisseurin Emma Dante findet für dieses zentrale Symbol in Prokofjews musiktheatralischem Vermächtnis eine kongeniale Lösung: ein koboldhaft kostümierter Breakdancer (Alis Bianca) verkörpert Renatas Seelenleiden durch verspielte Agilität, vitalisierende Erotik, abrupte physische Bedrängnis und Entzug. Damit ist er Wunsch- und Gegenbild zu ihrem biederen Rock, der Rüschenhaube, den weiten, den Körper zum Verschwinden bringenden Roben der sakralen Uniformierung im finalen Klosterbild. So eindeutig das Detail, so doppelbödig ist die szenische Komposition: Kostüme und Bühnenbild evozieren zwar historisches Kolorit, zitieren Merkmale eines progressiven, doch verunsicherten 16. Jahrhunderts, ...

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Opernwelt Juli 2019
Rubrik: Panorama, Seite 47
von Richard Erkens

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