Janácek: Die Ausflüge des Herrn Brouce
Gegenüber «Jenufa», «Katja», «Füchslein», auch «Totenhaus» und «Makropulos» gilt der «Broucek» immer noch als Außenseiter. Im deutschen wie im tschechischen Sprachraum. Ein in sich divergentes Stück, mit dessen zwei ganz unterschiedlichen Teilen, der Mondfahrt und der Reise ins 15. Jahrhundert, Regisseure sich schwer tun.
Christian von Götz fand jetzt einen gemeinsamen Nenner in der Verdoppelung der Titelfigur: Während Broucek I seine abstrusen Abenteuer erlebt, sitzt Broucek II biertrinkend und dösend am linken Bühnenrand und erinnert den Zuschauer ständig daran, dass die vor ihm ablaufenden Geschehnisse als Traumgebilde zu begreifen sind. Wobei die vom Schauspieler des Broucek II, offenbar einer Lübecker Lokalgröße, gesprochenen Zwischentexte sich in ihrer gemäßigt witzigen Pointierung eher lähmend auf das Ganze auswirkten.
Ansonsten aber liefern Götz und seine Ausstatterin Karin Fritz eine gekonnt turbulente Umsetzung. Das gilt sowohl für die Mondfantasien mit einer kabarettistischen Emanzen-Revue und der amüsanten Präsentation eines total durchgeknallten Künstlervölkchens wie auch für die mit einem gehörigen Schuss schwarzen Humors versehenen, grotesk sich ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Es ist eine Schlüsselidee des «Don Giovanni»: Die d-moll-Schläge des steinernen Gastes tauchen im Stück erst spät auf, aber sie eröffnen die Ouvertüre. Kraft und Magie des Übernatürlichen bilden ein akustisches Portal zu allem, was folgt. Mozart ist dafür, schon im 19. Jahrhundert, viel gerühmt worden. Nur: Die Idee stammt von Salieri. Die Ouvertüre zu dessen...
«In Osten wob ich. In Westen wand ich». Klingt nach Wagner. Stimmt auch. Das Zitat stammt aus der Kompositionsskizze zu «Siegfrieds Tod» von 1850. Bereits für ihr Weimarer «Rheingold» hatten Regisseur Michael Schulz und Dramaturg Wolfgang Willaschek aus dem Fragment Stoff für einen Prolog gewonnen. Vor Beginn der «Walküre» nun wird die Vorgeschichte der Oper stumm...
In seiner Klage über das Fehlen von komischen Opern sagt Peter Cornelius, die Deutschen hätten zwar ihre Tragiker gehabt, aber ein Aristophanes sei noch nicht da gewesen. Es ist zweifelhaft, ob Walter Braunfels rund fünfzig Jahre später das auch von Friedrich Nietzsche herbeigesehnte aristophanische Gelächter im Sinn hatte, ob er also mit seiner Vertonung der...
