Italienische Reise

Recitals mit Vokalstücken von Caccini bis Verdi

Opernwelt - Logo

«Nun haben Dilettanten aus Florenz / Aus heidnischen antiken Schriften / Sich Theorien künstlich ausgedacht. / Nach denen wird fortan Musik gemacht», lässt Hans Pfitzner den Protagonisten seiner Oper «Palestrina» singen, nachdem dessen Schüler Silla sich als Anhänger des «Stile nuovo» deklarierte.
Er thematisierte damit den Umbruch von kunstvoll kontrapunktischer Vokalpolyphonie (als Abbild einer hierarchisch geordneten Welt) zur affektiven Darstellung individueller Empfindungen und seelisch bewegter Leidenschaften.

Es war eine der größten Zäsuren in der abendländischen Musikgeschichte.
Die «Dilettanten aus Florenz», die mit dieser Revolution den Geist der Antike neu beschwören wollten, waren Komponisten, Dichter und Musikgelehrte, die sich gegen Ende des 16. Jahrhunderts im Hause des Florentiner Edelmannes und Antikenspezialisten Giovanni Bardi als Humanistenakademie platonischer Richtung sammelten. Dilettantentum wurde ihnen vorgeworfen, weil sie meist adeliger Herkunft waren und die Musik weder als Broterwerb noch in geistlichem Rahmen auszuüben hatten. Ihnen – vor allem Giulio Caccini (1551-1618) – widmet der amerikanische coloratura-basso profondo Joel Frederiksen sein Album «O ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Januar 2009
Rubrik: Medien/CDs, DVDs, Bücher, Seite 22
von Gerhard Persché

Vergriffen
Weitere Beiträge
Editorial

Der wichtigste Job in amerikanischen Kulturinstitutionen ist der des Fundraisers. Zumal in turbulenten Zeiten. Ohne (oft hoch dotierte) Spendensammler, die Unternehmen und Privatpersonen Geld aus der Tasche ziehen, könnten Museen, Bibliotheken, Orchester und Opernhäuser in den USA einpacken. Das ist natürlich keine neue Erkenntnis: Zwischen New York und San...

Unentschlossen

Regisseurinnen haben ihre eigene Sicht auf Beethovens «Fidelio». Vom nationalen Pathos der «Rettungsoper» lassen sie sich kaum einschüchtern und interessieren sich stark für die Frauen Leonore und Marzelline, deren Identität im patriarchalisch geführten Staatsgefängnis von Sevilla auf eine harte Probe gestellt wird. Amélie Niermeyer, seit zwei Jahren...

Kinderweihnachtsmärchen

Der chinesisch-amerikanische Komponist Tan Dun ist ein seltsamer Fall. Seine Vorbilder, sagte er einmal, seien Toru Takemitsu und John Cage, Hans Werner Henze und Dmitri Schostakowitsch. Gegensätzlicher könnten geistige Väter kaum sein. Der Personalstil des postmodernen «Mischlings» ist also vor allem daran zu erkennen, dass er keinen hat. Tans Werke sind offen für...