Ist seine Zeit endlich gekommen?
Zwei Prellböcke stehen auf der Bühne. Der Vorhang im Festspielhaus Bregenz ist noch geschlossen, da fällt schon der Blick auf die beiden stählernen Puffer, die wie Mahnmale erscheinen. Endstation Auschwitz. «Hier gibt es nur einen Ausgang. Durch den Schornstein des Krematoriums», singt in Mieczyslaw Weinbergs Oper «Die Passagierin» eine verrückt gewordene Alte (beängstigend: Helen Field) den Neu-ankömmlingen zur Begrüßung. Mehr als eine Million Menschen wurden in diesem Vernichtungslager von den Nazis getötet. Nur wenige haben diese Hölle überlebt.
Eine von ihnen ist Zofia Posmysz.
Die polnische Journalistin hat schon früh über die furchtbaren Geschehnisse im Lager geschrieben, die auch sie lange verdrängt hatte. 1959 war sie auf der Place de la Concorde, um für den polnischen Rundfunk über den ersten Direktflug von Warschau nach Paris zu berichten. Die Stimme einer deutschen Touristin schreckte sie auf. Sie erinnerte sie an die Stimme von Anneliese Franz, ihrer Aufseherin in Auschwitz. Posmyszs Novelle «Die Passagierin» bildet die Basis des von Alexander Medwedew verfassten Librettos zu Weinbergs gleichnamiger Oper. Sie erzählt von der Begegnung Marthas, einer ehemaligen ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Eigentlich müsste Aribert Reimanns 1971 in Schwetzingen uraufgeführte Öko-Oper «Melusine» nach der surrealistischen Märchen-Tragikomödie Yvan Golls ein Repertoirewerk sein wie der Welterfolg «Lear». Das Sujet, die Zerstörung der «weiblichen» Natur durch «männliche» Ratio, lässt sich aktueller nicht denken. Die Musik ist dramatisch wirkungsvoll, von geheimnisvollem...
Vivaldis «Juditha triumphans» und Verdis «Attila» als Teile eines zusammenhängenden Opernabends zu präsentieren, der (mit kurzen Unterbrechungen) von 18 Uhr bis Mitternacht währt, mag zunächst nach einem Wagnis klingen. Doch auf den zweiten Blick finden sich in den Sujets der Stücke so viele Parallelen, dass die Paarung durchaus Sinn macht. So geht es hier wie dort...
Die Musikfilmproduktion kann man ungefähr einteilen in Aufnahmen der Performing Arts (also Konzert, Oper und Tanz), in Documentaries und Doku-Dramen. Welche dieser Gattungen gehen heute am besten?
Am interessantesten sind natürlich Doku-Dramen, die Darstellung des Lebens eines Künstlers mit Schauspielern. Aber das ist sehr aufwändig, zumal noch das Sprachproblem...
