Ironisch verschwipst
Nein, auf altdeutsche Traulich- und Knorrigkeit braucht eine aktuelle «Meistersinger»-Interpretation nicht zu verzichten, wenn man sie nicht eins zu eins und zum Anlass für nationale Einpeitschungsrituale nimmt. Nigel Lowerys Tribut an Butzenscheibenästhetik und wuseligen Detailreichtum zielt eher auf ironische Verschwipsung, Pathosreduktion, verkleinerte Perspektiven. Die große, breite Wagnerkomödie wird durchs umgekehrte Fernrohr betrachtet.
Liebevolle Blicke sind das im Nationaltheater Mannheim, sogar das Parkett ist in die Handlung einbezogen: Lowery kümmert sich schier um alles Sichtbare – bis zu den wie von Dürer abgemalten Kostümen der skurrilen Meister. Deutet das auf besondere Konfrontationen, auf ein angeheiztes theatralisches Debattenklima im sinnfällig gemachten Streit um Kunst und Lebensart? Wohl kaum, denn Lowerys Spektakel ist bunt geraten, fast kunterbunt, und außer der Vermeidung feierlich angestrengter Geschwollenheit möchte man ihm keine Tendenz unterschieben.
Ein Kasten verengt den Spielrahmen demonstrativ; fast muss man an Puppentheater denken, und tatsächlich werden bei der Prügelszene und den finalen Zunftaufmärschen Puppen zum Einsatz gebracht. Hinter dem ...
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Opernwelt Dezember 2018
Rubrik: Panorama, Seite 41
von Hans-Klaus Jungheinrich
JUBILARE
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