Ironisch, heiter, licht
Von der «tumbheit über die unstaete zur staete» – Wolfram von Eschenbachs wunderbare Beschreibung des Lebenslaufes von Ritter Parzival findet ihren Niederschlag noch in Richard Wagners «Bühnenweihfestspiel». Wie ein Ahnungsloser über eine Entwicklungsphase des Suchens, Erprobens, Sich-die-Welt-Aneignens schließlich zur richtigen Erkenntnis des Schönen, Wahren, Guten gelangt – um es mit den Worten unserer Großväter zu sagen.
Die Regisseurin Tatjana Gürbaca hat Wagners «Parsifal» mit viel Kenntnis und Intelligenz unlängst in Antwerpen inszeniert, genauer: verrätselt, und ist dafür in der Kritikerumfrage der «Opernwelt» ausgezeichnet worden.
Jetzt also «Rinaldo» am Staatstheater Mainz, wo Gürbaca seit der Spielzeit 2011/12 als Operndirektorin engagiert ist – auch das ein lobenswertes Zeichen: Die gebürtige Berlinerin «geisterte» zehn Jahre lang, wie viele ihrer Kollegen, als freie Regisseurin durch die Szene. Wer längerfristig ein Profil entwickeln möchte, ist jedoch gut beraten, dies aus einer festen Position heraus zu beginnen. Bedauerlich daher, dass sie in Mainz schon wieder aufhört – Kontinuität scheint an den Musiktheaterbühnen inzwischen ein Fremdwort geworden zu sein.
Tatjana ...
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Opernwelt Dezember 2013
Rubrik: Panorama, Seite 42
von Gerhard Rohde
Die «Not um den Geschlechtstrieb» im «Parsifal» –Friedrich Nietzsche hat ihn als einer der Ersten spöttisch aufs Korn genommen. Nicht von ungefähr, handelt es sich dabei doch um nur eine der – gerade aus heutiger Sicht – anachronistisch anmutenden Ideen dieses ideologisch nicht unproblematischen Werks.
In seiner Neuinszenierung des Bühnenweihfestspiels für die...
Der Mann ist nicht totzukriegen. Eigentlich sollte nur seine Stimme aus dem Sarg ins Diesseits hinübertönen, aber in Yona Kims «Parsifal»-Inszenierung am Staatstheater Braunschweig ist Titurel quicklebendig. Festen Schrittes folgt er seinem wundgeplagten Sohn. Er verpasst Amfortas sogar eine Ohrfeige, als der sich ziert, das Ritual der Gralsenthüllung zu...
Das Erste, was ins Auge springt: der weit auskragende Baldachin. Wie eine Muschel wölbt er sich über dem Eingangsportal. Ein Rocaille-Dach aus Glas und gusseisernem Rankenwerk, das kühn aus der Fassade wächst. Schmuck und Statussymbol, wie die steinernen Löwen links und rechts der Treppe, die ins Innere führt. Vom Gesims des Mittelrisalits schauen zwei geflügelte...
