Ironie des Schicksals
Es grenzt an ein Wunder, dass die dritte Vorstellung von Thomas Adès’ 2004 uraufgeführter Oper «The Tempest» in der Met überhaupt stattfand: Schließlich war New York bereits seit zwei Tagen buchstäblich abgeriegelt wegen des verheerendsten Sturms seit1938. Überflutungen diesen Ausmaßes hatte die Metropole seit 1821 nicht mehr erlebt. Doch obwohl mehrere Millionen Menschen wegen Stromausfällen im Dunkeln saßen und die U-Bahn stillgelegt war, schaffte es eine achtbare Anzahl von Zuschauern zur Aufführung.
Und deren orkanhaftes Vorspiel begann – Ironie des Schicksals – mit einem sinkenden Schiff, einem tosenden Sturm und dem entsprechenden Tribut an Menschenleben.
Ihre Nordamerika-Premiere hatte die Oper 2006 in Santa Fe in der Regie von Jonathan Kent und unter der Stabführung von Alan Gilbert. In New York stand der Komponist höchstselbst am Pult, und Regisseur Robert Lepage präsentierte eine Inszenierung, die deutlich lebhafter ausfiel als die Produktion von Santa Fe.
Das Herzogtum Mailand mitsamt küstennahem Exil-Hofstaat verlegte er kurzerhand in die Mailänder Scala des 19. Jahrhunderts, bediente sich also des keineswegs neuen, doch immer wieder unterhaltsamen Tricks mit der Bühne ...
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Opernwelt Dezember 2012
Rubrik: Panorama, Seite 49
von David Shengold
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