Intimität und Überschwang
Das Klavierlied nimmt im kompositorischen Schaffen der großen Operndiva Pauline Viardot-Garcia die zentrale Stellung ein. An die 150 Titel nennt ihr Werkverzeichnis, und wie es bei einer so polyglotten Künstlerin nicht anders sein kann, in fast allen europäischen Sprachen. Die 45 russischen Lieder, von denen die Hälfte jetzt bei dem kleinen französischen Label Ligia vorliegt, entstanden überwiegend Mitte der 1860er-Jahre nach dem offiziellen Abschied der Sängerin von der Opernbühne, gleichsam für den Hausgebrauch.
Den engen Bezug zur russischen Literatur verdankt die Viardot ihrer Freundschaft mit dem Dichter Iwan Turgenjew, der ein großer Mittler zwischen den Kulturen war. So finden sich unter den Liedtexten neben Lyrik von Puschkin und Lermontow auch russische Adaptionen deutscher Dichtungen wie Eduard Mörikes «In der Frühe».
Trotz der russischen Texte ist der Tonfall der meisten Lieder sehr französisch, verbindet sich mit Reminiszenzen an die romantische Belcanto-Oper. Eine Prise slawische Schwermut ist als Gewürz beigefügt. Das erinnert manchmal an Tschaikowsky, dessen Lieder freilich erst später entstanden. Große Originalität können diese Kompositionen also nicht für sich in ...
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Opernwelt August 2012
Rubrik: Medien, CDs, Seite 26
von Ekkehard Pluta
Wolfgang Quetes hat sich nach acht Jahren als Generalintendant aus Münster verabschiedet. Es spricht für ihn, dass er sich den Abschied mit seiner letzten Inszenierung nicht leicht, sondern besonders schwer gemacht hat. Webers 1826 für London komponierter «Oberon» ist – so Carl Dahlhaus – «weder ‹Oper› noch ‹Musikdrama›, sondern im Wortsinn ‹Musiktheater›»: eine...
Ein Orchestergraben – wie gehabt. Pulte, Stühle. Bloß keine Musiker. An deren Stelle eine Unzahl von Lautsprechern, welche die Eingebungen eines real existierenden Dirigenten scheinbar spontan umsetzen. Doch die Musik ist natürlich virtuell; von einem Pult im Zuschauerraum aus operiert die Tontechnik mit Reglern und Schiebern.
So etwas erlebte man nicht in Valencia,...
Telemanns deutsches Singspiel «Sieg der Schönheit» wurde 1722 für die Hamburger Oper am Gänsemarkt geschrieben und gehört zu den acht überlieferten Partituren seiner mehr als 40 nachgewiesenen Opern. Hintergrund des grotesk-komischen Liebesverwirrspiels ist die Eroberung Roms durch die Vandalen im Jahr 455. Fast alle männlichen Römer werden getötet, und der Vandale...
