Ins Herz der Finsternis

Höhepunkt des dritten Opera Forward Festivals: Romeo Castelluccis grandiose Vergegenwärtigung von Henzes «Floß der Medusa» im Muziektheater

Opernwelt - Logo

Vielleicht lag’s an der Zueignung. Vielleicht hätten Hans Werner Henze und sein Librettist Ernst Schnabel ihr Oratorio volgare e militare nicht dem kurz zuvor ermordeten kubanischen Revolutionsführer Che Guevara widmen sollen.

Vielleicht wäre es genug der politischen (An-)Rede gewesen, sie hätten sich, wie dies jüngst dem österreichischen Schriftsteller Franzobel mit seinem Roman «Das Floß der Medusa» gedanken- und wortmächtig glückte, auf das ins Allgemeine zielende Thema beschränkt: auf die Unfähigkeit des Menschen, seiner animalischen Natur Herr zu werden, die zeitlosen Grenzen des Humanen, kurz: auf das Böse in uns.

So aber kam an diesem 9. Dezember 1968 in Hamburg, was kommen musste inmitten der politisch aufgewühlten Stimmung, mit Vietnamkrieg, Notstandsgesetzgebung und dem Attentat auf Rudi Dutschke: Wo die Kunst allein durch sich selbst sprechen sollte, sprach – befeuert durch hetzerische Artikel in der Springer-Presse – die pure Aggression. Hier provokative Transparente, unsinnige Flugblätter und noch unsinnigere «Ho Chi Minh»-Sprechchöre, dort eine hirnlos-obsessiv prügelnde Polizei. Die Folge: Eskalation, Tumult, Verletzte, Verhaftungen – aber kein einziger Ton Musik. ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Mai 2018
Rubrik: Im Focus, Seite 25
von Jürgen Otten

Weitere Beiträge
TV-Klassiktipps Mai 2018

alpha

06.05. – 20.15 Uhr
Jonas Kaufmann singt deutsche Arien
Konzert in der Philharmonie im Münchner Gasteig
Münchner Rundfunkorchester, ML: Güttler

13.05. – 20.15 Uhr
Mariss Jansons dirigiert Bernstein: Chichester Psalms und Haydn: Symphonie Nr. 97 in C-Dur

Die dreisätzige Vertonung verschiedener Psalmtexte in hebräischer Sprache schuf Bernstein für das...

Geheimnislos

Auch wenn die Berliner Philharmoniker – im Gegensatz zu ihren Kollegen in Wien – nur selten Oper spielen, lagen die Noten von Wagners «Parsifal» immer wieder auf ihren Pulten.

Das hat damit zu tun, dass sich diese Musiker eigentlich nur zu Osterfestspielen in einen Orchestergraben setzen – lange in Salzburg, seit 2013 in Baden-Baden – und dass «Parsifal», einer...

Volles Risiko

«Diese Bilderbuchkarrieren, gibt’s die überhaupt?», fragte Doris Soffel im Gespräch mit «Opernwelt» einmal (siehe OW 9-10/2015). Ihre Antwort: «Nein! Es gibt nur Zickzack.» Mit entwaffnender Offenheit sprach da eine Mezzosopranistin, die vom Koloraturfach kommt, ihren internationalen Durchbruch nach neun Stuttgarter Ensemblejahren als Sesto in Mozarts «Tito»...