Innenwelten

Psychodrama eines Genies: Robert Schumanns «Genoveva» in Cottbus und Zwickau

Opernwelt - Logo

Jubiläen werden gefeiert, wie sie fallen, aber nicht immer kommen dabei auch interessante Erkenntnisse, neue Lesarten, gelungene Aufführungen heraus. Die ostdeutsche Provinz legt nun im 200. Geburtsjahr Robert Schumanns gleich zwei starke Inszenierungen von dessen einziger Oper «Genoveva» vor – ein Stück also, das Zuwendung wirklich nötig hat, denn es wird bis heute als bühnenuntauglich kritisiert und selten aufgeführt. Der alte Vorwurf: Schumann war kein genuiner Theatermensch, er hat seelische Zustände, gleichsam psychische Plateaus komponiert, die auf Kosten der Handlung gehen.

Die Partitur ist gegen das Drama geschrieben. Konsequenterweise beleuchten Martin Schüler in Cottbus und Jochen Biganzoli in Zwickau vor allem diese psychologischen Seiten des Werks. Die verquaste Heiligengeschichte aus dem 8. Jahrhundert, die dem Libretto zugrunde liegt, mag zu Schumanns Zeiten populär gewesen sein, heute interessiert sie niemanden mehr. Doch sind gerade die Schwächen des Stücks seine Stärken: Einblicke in die Seelen der oftmals vereinzelt, wie autistisch agierenden Figuren öffnen Fenster in die Moderne. Logisch, dass beide Regisseure die interessanteste Figur in den Mittelpunkt rücken: ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt August 2010
Rubrik: Magazin, Seite 70
von Udo Badelt

Vergriffen
Weitere Beiträge
Am Schicksalsfaden

Wenn im Dessauer «Maskenball» zum Schlussapplaus der Sänger des Gustav vor den Vorhang tritt, erhebt sich ein Mann im Publikum, zückt eine Pistole, schießt. Der König bricht zum zweiten Mal zusammen. Mörder unter uns? Eher: ein Gag, der spätestens nach der Premiere durch die Kritiken bestens bekannt ist und nur wenige überraschen dürfte. Regisseur Roland Schwab...

Im Dunkel der Seelen

Auch mehr als hundert Jahre nach ihrer Entstehung gehört Claude Debussys einzige Oper noch immer zu den großen Herausforderungen des Musiktheaters. Wie in Wagners «Tristan» (der in Maeterlincks Drama – Debussys Textvorlage – ständig als Bezugspunkt im Hintergrund spukt) ist auch in dieser Dreiecksgeschichte aus Liebe, Eifersucht und Tod alle Handlung nach innen...

«Manon», italienisch

Gekommen war man, um Anna Netrebko in ­einer ihrer Paraderollen zu hören – doch das Ereignis der neuen «Manon» des Ro­yal Opera House in London war am Ende nicht die Diva, sondern ihr Chevalier. «Die Geburt eines neuen Stars», «Das sensationellste Debüt seit Langem» bejubelte die englische Presse den jungen Italiener Vittorio Grigolo, der damit wohl den...