In tiefer Nacht
Beau est noir et noir est beau – Schönheit ist schwarz, und das Schwarze ist schön.» Raunende Weisheiten dieser Art durchziehen das Textbuch zu «Macbeth Underworld», das der Schriftsteller Frédéric Boyer für Pascal Dusapin gedichtet hat. Boyer ist vertraut mit den alten, den ewigen Wahrheiten: Als Übersetzer hat er sich in die Bibel, die Bekenntnisse des heiligen Augustinus oder das Kamasutra hineinvertieft und schürft nun aus William Shakespeares düsterster Tragödie das Numinose und Endzeitliche in expressiven, leider auch recht verblasenen Wort- und Sinnklumpen hervor.
«Dunkel sind die Liebenden, die träumen, die zeugen und töten.» Darum geht es in «Macbeth Underworld»: um die Tiefe der Nacht, in der sich Gewalt, Trieb und mörderische Schuld zu einem glibbrigschwarzen Etwas verkleben, das jede Liebe zwischen Macbeth und seiner Lady tötet. Shakespeares Drama um den Machtkampf in Schottland liefert die Folie, doch sind alle Handlungen schon Vergangenheit und in der Psyche der beiden Hauptfiguren zum unauflöslichen Schuldkomplex geronnen. Das Personal der Macht ist bis auf wenige Figuren wie die herumgeisternde Banquo-Leiche (Kristinn Sigmundsson) verschwunden, Macbeth erlebt das ...
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Opernwelt November 2019
Rubrik: Im Focus, Seite 16
von Michael Struck-Schloen
In ihrer Reihe «Opern aus den Archiven der Welt» haben Werner Ehrhardt und sein Ensemble L’arte del mondo schon mehrere Bühnenwerke wieder ans Licht befördert, die im 18. Jahrhundert überaus beliebt waren, um dann vergessen zu werden. Nach «La scuola de’ gelosi» (2015) folgt mit dem Dramma giocoso «La fiera di Venezia» jetzt eine weitere Buffa von Antonio Salieri,...
Nanu! Ist das nicht Michel Houellebecq? Dieser schmächtige Typ mit strähnigem Haar, der da rauchend im Bett liegt? Der dann sturzbetrunken zur Badewanne torkelt, um sich die Fußnägel zu lackieren?
Ja, zweifellos, er ist es. Der französische Kultautor ist in Elisabeth Stöpplers Inszenierung von Offenbachs letzter Oper «Les contes d’ Hoffmann» omnipräsent: Seine...
Sie liebkost jedes Wort, kostet Farbschattierungen ganz subtil aus, verströmt eine gebirgswassersprudelnde Klarheit. Der Gesang von Mari Eriksmoen ist auf jene natürliche Weise kunstvoll, dass selbst zu viel gesungenes und zu viel gehörtes Liedgut wie das «Ständchen» von Richard Strauss oder die «Widmung» von Robert Schumann die Unmittelbarkeit und den Zauber des...
