Immer noch Neues vom Maestro Orgasmo
Hector Berlioz ging mit seinem erfolgreichen Kollegen Gaetano Donizetti einmal hart ins Gericht, indem er ihm vorwarf, aus der Musik «eine Art Kartenspiel (zu machen), aus dem er hier ein Herz-Ass verteilt, dort ein Treff-Ass oder einen Carreau-Buben». Der Vorwurf zielte auf die Neigung des Italieners zum musikalischen Recycling, die freilich in einer Epoche raschester Opernproduktion nichts Ungewöhnliches war.
Fast achtzig Opern in fünfundzwanzig Jahren zu schreiben, ist schon eine Leistung, und dass der Hörer von heute auch durch Donizettis Wiederholungen und Selbstzitate nie gelangweilt wird, nimmt er als eine wesentliche und erfreuliche Erfahrung aus der Begegnung mit einigen bis dato unbekannten Stücken mit, die in den letzten Monaten erstmals auf CD veröffentlicht wurden.
Über ein Jahrhundert in Vergessenheit geraten und auch im Zuge der Donizetti-Renaissance nur am Rande beachtet, erfährt die zwei Jahre nach der «Lucia di Lammermoor» entstandene, bei der Premiere in Venedig (1837) eher reserviert aufgenommene «Pia de Tolomei» plötzlich eine Ehrenrettung im großen Stil. Nicht weniger als drei Aufnahmen kamen jüngst auf den Markt. Bongiovanni legt eine dreißig Jahre alte ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Manchmal weiß man schon nach wenigen Sekunden, wie musikalisch ein Regisseur, eine Regisseurin ist. An diesem Abend in Magdeburg, der voller musikalischer Zweifel steckt, weil das von Alexander Steinitz geleitete Orchester einen rabenschwarzen Tag erwischt hat, genügt die Ouvertüre, um solches festzustellen. Vorne, vor dem noch geschlossenen Vorhang, sitzen...
Koblenz hat eine der kleinsten Opern Deutschlands und ist doch eine Wagner-Stadt: In der vergangenen Saison hat sich das Haus mit großem Erfolg an «Parsifal» gewagt – ein Theatercoup, für den das Orchester auf der Bühne platziert, die Inszenierung auf das Proszenium und große Chormassen ins Foyer verlagert wurden. Jetzt wagte man sich an «Rheingold» – doch diesmal...
Zum Scheitern führen viele Wege. Die Regisseure der beiden Opern-Neuproduktionen zu Beginn der laufenden Spielzeit am Badischen Staatstheater, Robert Tannenbaum bei «Simon Boccanegra» und Denis Krief, der seine Auseinandersetzung mit dem «Ring des Nibelungen» nach dem «Rheingold» im vorigen Jahr jetzt mit der «Walküre» fortgesetzt hat, gingen von diametral...
