Im Raubtierkäfig der Gesellschaft
Die eigentliche Überraschung des Werkes ist sein Libretto: ein seit mehr als vierzig Jahren unaufgeführt gebliebenes Stück von Peter Weiss. Dieses «Inferno» war von ihm geplant als Teil einer Trilogie nach Dantes «Divina Commedia», deren Abschluss die bereits 1965 uraufgeführte «Ermittlung» bilden sollte, ein seinerzeit viel gespieltes Paradigma-Stück des dokumentarischen Theaters.
Kontrastierend zu dessen sachlich nüchterner, protokollarischer Darbietungsform ist «Inferno» die symbolhaft überhöhte Verarbeitung eines Emigrantenschicksals, projiziert auf den Renaissancedichter Dante Alighieri und trotz vieler Anspielungen auf die bundesrepublikanische Nachkriegsgesellschaft in die Zeitlosigkeit gestellt. Ein Text, dessen konzise sprachliche Metaphorik nach musikalischer Kontrastierung geradezu drängt – was den Intendanten Klaus Pierwoß dazu veranlasst haben mag, die Oper als neunte einer von ihm begründeten und in ihrer Art einmaligen Bremer Uraufführungsreihe in Auftrag zu geben.
Man mochte seine Zweifel gehabt haben, ob Johannes Kalitzke, in Bremen noch gut erinnerlich von seiner 1998 hier uraufgeführten und von eher abstrakt-unsinnlichen musikalischen Denkspielen geprägten ...
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