Ignorieren Sie mich!
Am Tag seines Rücktritts in Wien fiel ihm der Satz wieder ein. Ein guter Freund, der ihm zur Berufung als Generalmusikdirektor der Wiener Staatsoper gratulierte, hatte ihn gesagt. «Sie werden dich natürlich umbringen», meinte er zu Franz Welser-Möst. «Aber dann bist du ein Märtyrer. Und dann ist es zur Heiligsprechung auch nicht mehr weit.» Welser-Möst lachte darüber: beim ersten Mal, weil er den Satz für einen Scherz hielt. Beim zweiten Mal, weil er wusste, dass es keiner gewesen war. In der Zeit dazwischen hatte er nicht allzu viel zu lachen.
An den Kragen wollte ihm natürlich niemand. Aber an etwas anderes, das ihm nicht weniger bedeutet.
Franz Welser-Möst, 55, geboren in Linz, Chefdirigent des Cleveland Orchestra und von 2010 bis 2014 Generalmusikdirektor der Wiener Staatsoper an der Seite von Intendant Dominique Meyer, nennt den Rücktritt heute einen «Befreiungsschlag». Über die Details darf er nicht sprechen, nicht vor 2020, eine Vertraulichkeitserklärung bindet ihn. Geschadet hat ihm der Schritt nicht, Welser-Möst gehört nach wie vor zu den gefragtesten Opern- und Konzertdirigenten weltweit – erst recht, weil er sich im Opernfach exklusiv an Wien gebunden hatte, bis er mit ...
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Opernwelt März 2016
Rubrik: Porträt, Seite 58
von Florian Zinnecker
Als Parabel für moralische und psychische Verwahrlosung durch Machtgier ist «Macbeth» von zeitloser Aktualität. Angesichts der dramatischen Weltlage scheint Verdis Humanismus brisanter denn je. Allerdings gibt es in dieser Oper einige steinharte Regie-Nüsse zu knacken: Was macht man mit den Hexen und ihren chorischen Weissagungen? Wie bebildert man Macbeths...
Wo auch immer in den letzten Jahren der einst von der Zensur behinderte, von Verdi verschiedentlich umgearbeitete, vom Opernbetrieb lange vergessene «Stiffelio» auftauchte, erregte er Erstaunen und Bewunderung. Die 1850 in Triest uraufgeführte Oper brilliert nicht mit exotischen oder spektakulären Schauplätzen. Auch nicht, wie «Macbeth», mit einem berühmten Sujet....
Viele Jahre sprang an Berlins Staatsoper René Jacobs mit Barockopern in die Bresche, wenn Daniel Barenboim mit der Staatskapelle auf Reisen ging – und triumphierte. Verflossene Zeiten. Diesmal, das Orchester weilte in Japan, zelebrierte man im Ausweichquartier Schiller Theater den «Mord an Mozart»: ein extravaganter Musiktheater-Versuch, eine Collage aus...
