Ich wandte mich und sah an alles Unrecht
Propheten haben es im eigenen Land immer schwer, aber irgendwann wird ihre Stimme auch dort gehört. Zu den großen Gestalten der zeitgenössischen Musik, die ihrer Heimat treu geblieben sind, ihren Ruhm aber überregionaler Aufmerksamkeit verdanken, gehört der Komponist Bernd Alois Zimmermann. 1918 geboren in dem Voreifeldorf Bliesheim (heute ein Ortsteil von Erftstadt), studierte, lehrte, litt und lebte er bis zuletzt im nahen Köln und dessen Umland. Wenn am 20. März Zimmermanns 100.
Geburtstag begangen wird, feiern ihn die Bliesheimer als ihren großen Ortsheiligen – wenngleich den meisten Bewohnern kaum bewusst ist, worin seine Verdienste für die Musikwelt bestehen.
Ein Bliesheimer Bürger, die Narrenkappe auf dem Kopf, erfasst Größe und Tragik dieses Musikerlebens erstaunlich treffsicher. «Er ist leider Gottes auch in Köln zunächst verkannt worden», sagt der Narr. «Man hat ihm seinen Erfolg mit den ‹Soldaten› von 1964 nicht gegönnt, er war so ziemlich isoliert an der Musikhochschule und hat, aus welchen Gründen auch immer, 1970 Selbstmord begangen.» Jener Karnevalist, der in der 1998 entstandenen Dokumentation «Das Bliesheimer Kreuz» der Filmemacherin Saskia Walker über die frühen ...
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Opernwelt März 2018
Rubrik: Magazin, Seite 70
von Josef Oehrlein
Man kann sich das heute kaum noch vorstellen, eine Tatsache ist es dennoch: Bis 1947 hatten die Salzburger Festspiele keine Uraufführungen im Programm. Gottfried von Einems Oper «Dantons Tod» war die erste. Und sie war gleich ein Triumph. Frenetisch bejubelt wurde der junge, 29-jährige Komponist vielleicht auch aus Dankbarkeit. Weil hier jemand eine neue, moderne...
Es ist still um ihn geworden. Aber das kennt man. Hans-Joachim Hespos arbeitete stets an den Rändern. Und so ist seine Musik. Eine Randerscheinung. Und: eine Herausforderung. Ein Stück von Hespos hört man nicht einfach so. Man muss hineinkriechen, um sich einen Eindruck von dessen Wesen zu verschaffen.
Das Credo seines Komponierens verdankt sich einem Diktum...
Vielleicht ist es kein Zufall, dass für Simon Estes der Holländer zu einer Art Schlüsselfigur wurde. Als Claus Helmut Drese den Bassbariton 1976 in das Zürcher Ensemble holte, lag sein Europa-Debüt an der Deutschen Oper Berlin bereits elf Jahre zurück. Ein künstlerisches Zuhause war dem in Iowa aufgewachsenen Sohn eines Bergmanns und Enkel eines Großvaters, der...
