«Ich bin eine idealistische Realistin»
Es ist Juli in Wien, das Thermometer erreicht Rekordhöhen. Auf dem Weg zu unserem Treffpunkt, dem Café Landtmann gegenüber dem Burgtheater, suche ich den Schatten, so gut es geht, und denke an Albert Camus: «Die Hitze legte sich mit ihrem ganzen Gewicht auf mich und stemmte sich mir entgegen. Und jedes mal, wenn ich ihren heißen Atem auf dem Gesicht fühlte, biss ich die Zähne aufeinander, ballte die Fäuste in den Hosentaschen und spannte mich, um über die Sonne und den dunklen Rausch, den sie über mich ergoss, zu triumphieren.
» Dann kommt Krassimira Stoyanova, von den Temperaturen offenbar unbeeindruckt, leicht und entspannt, völlig unprätentiös, ohne jede Spur von geballten Fäusten. Diese Selbstverständlichkeit scheint typisch für diese Sängerin: So singt sie auch, selbst in mit Auftritten voll gepackten Wochen. Was hier wie Schwärmerei klingen mag, ist eine pragmatische Feststellung: Ich habe die Stoyanova noch nie angestrengt, müde klingend erlebt, sondern stets technisch souverän, mühelos auf der Luft phrasierend.
Auf ihre Technik angesprochen hält sich die Bulgarin bedeckt. Man gewinnt den Eindruck, dass sie so privat wie möglich bleiben möchte, nicht aus Marotte, sondern aus ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Am 29. Juni 2010 schien die Sonne über Italien, und sie schien im Norden wie im Süden, im Westen und im Osten. Doch so sehr Helios auch strahlte – das Unwetter, welches ein Mann namens Sandro Bondi ins Werk setzte, war ungleich stärker. Denn an diesem für sämtliche Künste rabenschwarzen Tag passierte jenes Gesetz, das der italienische Kulturminister – mit hoher...
Mehrere Male durfte ich Charles Mackerras in seinem Londoner Heim besuchen, um ihn zu interviewen. Das Haus liegt am Rand des pittoresken Stadtteils Little Venice, wo der Grand Union Kanal und der Regents Canal sich treffen und zahlreiche der für Großbritannien so typischen bunt bemalten Hausboote ankern. Ganz in der Nähe auch das legendäre Stadion «Lord’s», in dem...
Die Medien-GmbH der Bayreuther Festspiele sorgt nicht nur für erfolgreiche Live-Übertragungen auf den Festplatz, auf Denglisch «Public Viewing» genannt, und für den World-Wide-Wagner-Zugriff darauf im Internet (in diesem Jahr «Die Walküre» am 21. August) – sowie für das großartige Projekt «Richard Wagner für Kinder», von dem später noch die Rede sein wird. Es gibt...
