Hypnotische Schauer
Vor vier Jahren war Katalonien Ehrengast der Frankfurter Buchmesse. Im Rahmenprogramm hatte das Darmstädter Staatstheater vier Werke katalanischer Komponisten im Angebot, eines davon die mit vier Instrumentalisten und drei Sängern besetzte Kammeroper «La Cuzzoni» aus der Feder von Agustí Charles. Seinem erfolgreichen Musiktheaterdebüt sollte nun eine große Oper folgen. Der Vulkanausbruch des Eyjafjallajökull im vergangenen Jahr brachte den Komponisten und seinen Librettisten Marc Rosich auf die Idee, eine Byron-Oper zu schreiben.
Denn ein Vulkanausbruch im Jahr 1816 brachte Europa jenen «Sommer ohne Sommer» (so der Untertitel der neuen Oper), der zu einer der aufregendsten Begegnungen der Literaturgeschichte führte: Lord Byron traf am Genfer See gemeinsam mit seinem Arzt Polidori auf Mary und Percy B. Shelley, mangels sommerlicher Zerstreuungsmöglichkeiten entstand Mary Shelleys Frankenstein-Roman, Polidori begründete das Genre der Vampirgeschichte, und Byron schrieb sein Gedicht «Darkness».
Aus dieser realen Geschichte und den genannten Texten bedient sich das bildkräftig-pralle, auf Katalanisch verfasste Libretto von «Lord Byron». Es ist ein nahezu dreistündiger Abend geworden: ...
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Opernwelt Mai 2011
Rubrik: Panorama, Seite 41
von Claus Ambrosius
Der Name ist Programm: Als Matthias Osterwold 2002 in Berlin die erste «MaerzMusik» auflegte, nannte er das Projekt «Festival für aktuelle Musik». Der schwammige Untertitel beschreibt präzise, worin sich Osterwolds Nachdenken über Stand und Perspektiven zeitgenössischer Klangkunst von jener «Musikbiennale» unterscheidet, die zuvor unter dem Dach der Berliner...
Es ist eine Aura um sie. Wann immer man ihr begegnet – etwa beim alljährlichen Sängertreffen der Gottlob-Frick-Gesellschaft in Ölbronn, das sie regelmäßig besucht –, ist man gefesselt von dem Charme, von der Vitalität, die sie ausstrahlt. Kaum zu glauben: Inge Borkh, eine der legendären Gesangstragödinnen des vorigen Jahrhunderts, wird am 26. Mai 90 Jahre alt.
Früh...
Immo Karaman hatte in der letzten Spielzeit mit Brittens «Peter Grimes» sein Regiedebüt an der Düsseldorfer Rheinoper gegeben (siehe OW 11/2009). Jetzt setzte er sich dort mit Brittens aufwändigster Oper, dem 1951 uraufgeführten «Billy Budd», auseinander. Wie schon bei «Peter Grimes» verweigert Karaman jede vordergründige Aktualisierung, gar plakative Bebilderung...
