Hunger nach Macht

Händel: Agrippina Wien / Theater an der Wien

Opernwelt - Logo

Sie gilt als eine der machtgierigsten Frau­en des alten Rom: Iulia Agrippina, Tochter des Germanicus. Ein Skandal schon die Heirat mit ihrem Onkel, dem Kaiser Claudius, der die Ehe per Dekret legitimieren ließ. Um ihre Position am römischen Hof zu stärken, soll sie einige Male sogar Gift zur Hand genommen haben. Alle Mittel schienen ihr recht, um Nero, ihren Sohn aus erster Ehe, zu Claudius’ Nachfolger zu machen. Sympathisch ist Agrippina nicht – doch umso besser geeignet als Opernfigur.



Kardinal Vincenzo Grimani schuf aus den Legenden um die historische Agrippina ein bitterböses Libretto, in dem es kaum Identifikationsfiguren gibt, so dicht ist das Netz aus Lügen und Intrigen an diesem römischen Hof des Jahres 54 n. Chr. Um 1708/09 komponierte der damals 24-jährige Georg Friedrich Händel eine Oper auf diesen Text, der – oft durchaus komödiantisch – prototypische Strukturen der Macht entlarvt.

Insofern wundert es nicht, dass Regisseur Robert Carsen im Theater an der Wien «Agrippina» aus dem historischen Kontext herauslöst und das Stück stattdessen zur bissigen Parabel auf gegenwärtige Machtmanifestationen formt. Dementsprechend kalt ist das Ambiente von Ausstatter ­Gideon Davey: Die ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Mai 2016
Rubrik: Panorama, Seite 58
von Reinhard Kager

Weitere Beiträge
Bilderbogen

Die Trompete wimmert – zart, versehrt – im Nachhall des Schlagzeugs. Es klagt das Fagott. Erschöpfung liegt über der ersten Szene aus Volker David Kirchners neuer Oper «Gutenberg». Die Musik erinnert an die fahlen Stimmungen im Spätwerk von Dmitri Schostakowitsch, die Szene selbst – mit dem alten Johannes Gutenberg im Algesheimer Hof zu Mainz – ist ein Echo des...

Ganz konkret

Glückliches Kiel: Nicht einmal zwei Jahrzehnte sind seit dem letzten «Ring» vergangen, da bietet das Opern­haus seinem Publikum schon eine neue ­Inszenierung des Zyklus an. Wobei die jetzt im Entstehen begriffene Version – das zeichnet sich nach den Premieren der ersten beiden Teile ab – einen interessanten Kontrast zur vorigen bildet.

Kirsten Harms hatte die vier...

Theater Freiberg

Das erste deutsche Stadttheater stand   in Ulm. 1781 wurde es eröffnet, im 19. Jahrhundert mehrmals umgebaut und erweitert, doch 1944/45 verglühte das Haus im Bombenhagel. Seit 1969 residieren die Ulmer Bühnen in einem markanten Neubau von Fritz Schäfer. Deshalb kann nun das Freiberger Theater am Buttermarkt von sich behaupten, der älteste kommunale Theaterbetrieb...