Homme à Femmes
Der dunkle Bruder des Ruhms ist das Vergessen. Josef Myslivecek, zu Lebzeiten in Italien als «il boemo» verehrt, angereichert gelegentlich sogar durch das Epitheton «divino», geriet nach seinem Ableben (1781 in Rom) sehr schnell in den Schatten Mozarts. Die Musikgeschichte verbog sich sogar zum Gerücht, er hätte beim Salzburger Genie abgekupfert. Dabei war’s eher umgekehrt. Nicht, dass Mozart bei ihm abgeschrieben hätte, aber Myslivecek dürfte Mozart durchaus inspiriert haben.
Der Teenager hatte den um neunzehn Jahre Älteren 1770 in Bologna kennengelernt und ihn, wie die MGG uns wissen lässt, «brieflich als Ehrenmann bezeichnet, mit dem er bald gut Freund geworden sei». 1737 als Sohn eines Müllers in Ober-Sarka bei Prag geboren, studierte Myslivecek in der Hauptstadt Philosophie und Literatur, sollte dann zunächst die väterliche Mühle übernehmen, verzichtete aber zugunsten seines Bruders, um sich der Musik zu widmen.
1763 begab er sich, gefördert von Graf Vinzenz von Waldstein, nach Venedig, wo er sich als Vokal- und Opernkomponist vervollkommnete und offenbar zugleich vom Geist Casanovas infizieren ließ, denn seine Liebesaffären wurden in Italien Legende. Auch als Komponist war ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Januar 2013
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 19
von Gerhard Persché
Eigentlich ist ja die Theater-auf-dem-Theater-Situation eine ideale Basis für interessante szenische Brechungen und Zuspitzungen. Strauss’ «Ariadne» aber ist ein sperriger Brocken. Denn der alberne Konflikt zwischen Opernpersonal und Buffotruppe bietet allzu leicht Anlass zu grober Karikatur. In Essen hat Regisseur Michael Sturminger das Geschehen vom Palais des...
Es nahm sich aus wie ein besonders pointierter Regieeinfall und war doch nur dem Leben und seiner manchmal bitteren Realität geschuldet: eine Emilia Marty im Rollstuhl. Die alternde, mehr als 300-jährige Sängerin auf der Jagd nach dem Rezept für die ewige Jugend, gezeichnet als morbide, vom Verfall bedrohte Frau. Aber des Rätsels prosaische Lösung zeigt andere...
Die goldenen Jahre eines Dirigenten» seien doch die Zeitspanne zwischen 60 und 70. Und die solle man am besten am Pult von Spitzenorchestern verbringen. Das selbst gesteckte Ziel hat Mariss Jansons mehr als erreicht – als Chef des BR-Symphonieorchesters in München und des Concertgebouworkest in Amsterdam sowie als begehrter, ja von Musikern verehrter Gast in Berlin...
