Hommage á Appia
Zum Liebestod umschlingt Isolde einen mächtigen Stamm – Weltesche und Baum der Erkenntnis zugleich. Ein stimmiges, ein archaisches Bild. Bei den letzten Takten der Verklärungsmusik wird sie die Umarmung lösen und hinsinken, hinein in den Schoß Brangänes, die sie, einer Mater Dolorosa gleich, aufnimmt. All das geschieht vor einer gülden-warm leuchtenden Meereskulisse. Ganz klar: Regisseur Gerd Heinz sucht in seiner Inszenierung von Wagners Opus metaphysicum am Südthüringischen Staatstheater Meiningen nach Metaphern aus der Antike und der christlichen Bilderwelt.
Nicht von ungefähr erweisen er und sein Ausstatterteam (Rudolf Rischer, Bühne; Gera Graf, Kostüme) explizit dem großen Schweizer Theaterreformer des frühen 20. Jahrhunderts Adolphe Appia und dessen Mailänder «Tristan» von 1923 ihre Hommage, der mit seiner Forderung nach einer «Gesamtharmonie» zwischen Drama, Szene und Publikum im Grunde auch auf das antike Drama rekurrierte.
Im Gegensatz zu Heinz’ sensationellem Meininger «Parsifal» von 2009 findet dieser «Tristan» zu keiner zwingenden ästhetischen Gesamtform. Im ersten Akt ein Schiffsbug auf der Drehbühne, dessen Rückseite die Kajüte Isoldes und Brangänes zeigt; im zweiten ...
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Opernwelt Mai 2013
Rubrik: Panorama, Seite 54
von Alexander Dick
Den Verstand zu verlieren über Wagners «Weltabschiedswerk» galt lange als gute Tradition. Zumal im Bayreuther Festspielhaus, für dessen «mystischen Abgrund» der Meister sein opus summum bekanntlich konzipierte. Woher die Klänge kommen, wie sich Stimmen, Strukturen und Farben mischen – darüber sollte das Publikum staunend rätseln wie Gurnemanz über die Herkunft des...
Tannhäuser ist genervt. Unruhig tigert er durch den Salon der Dame Venus. Weder sie noch die tanzenden (schein-) nackten Damen und Herren, die eben noch im Bilderrahmen hinten auf der Bühne der Straßburger Opéra national du Rhin in Starrheit verharrten, können ihn auf andere Gedanken bringen: Er will da weg. Der Raum, in dem er sich immer unwohler fühlt, ist nichts...
Meldungen
Die Bayerische Staatsbibliothek erinnert mit der Ausstellung «Richard Wagner – Die Münchner Zeit (1864-1865)» an die in München verbrachten Jahre des Komponisten, in deren Mittelpunkt die Uraufführung von «Tristan und Isolde» am 10. Juni 1865 im Königlichen Hof- und Nationaltheater stand, anhand der in der Bayerischen Staatsbibliothek überlieferten...
