Holocaust in den Seelen
Die Kammeroper «Pnima» war die herausragende Produktion der Münchener Biennale für Neues Musiktheater im Jahr 2000, sie wurde in der Kritikerumfrage dieser Zeitschrift zur «Uraufführung des Jahres» gewählt. Der ethisch und ästhetisch hoch riskante Versuch der 1957 geborenen israelischen Komponistin Chaya Czernowin, die Judenvernichtung durch die Nazis, genauer: deren Nachhall, in ein Musiktheater zu bannen, erhielt damals durch Claus Guths Regie ein starkes Bild: auf der Bühne ein zerschlissenes leeres Zimmer, darin verloren zwei stumme Darsteller.
Wie jetzt dasselbe Stück am Staatstheater Stuttgart mit Bild, Mensch und Geste fast manisch angefüllt ist, das sieht aus wie das genaue Gegenteil der Uraufführung: Nicht Leere einer Bühne, sondern ihre kunstvolle Bespielung ist das, was die koreanische Regisseurin Yona Kim aus Chaya Czernowins Stück heraushören will. Und es hat seine imaginative Logik.
Der Holocaust in den Köpfen und Seelen der folgenden Generationen, er muss nachbeben – Czernowins Thema. Die Komponistin aus Israel wollte für ihr Musiktheater keine «Geschichte» erfinden, sondern alles der Musik überantworten. Ihre musikalische Fantasie führt sie in eine ungeheuer ...
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Opernwelt September/Oktober 2010
Rubrik: Festivals II / Panorama, Seite 66
von Wolfgang Schreiber
Als John Christie 1934 zum ersten Glyndebourne Festival auf seinen Landsitz in den Sussex Downs lud, standen Mozarts «Figaro» und «Così» auf dem Programm. Ein Jahr später kamen «Entführung» und «Zauberflöte» hinzu. Den ersten «Don Giovanni» dirigierte der von den Nazis aus Dresden vertriebene Fritz Busch, im NS-Olympia-Jahr 1936. Regie führte damals ein anderer...
Wenn Rolf Liebermann aus seinem Leben erzählte, waren es vor allem Anekdoten – grundiert von Humor und Understatement, getragen vom gutturalen Klang seiner Schweizer Sprechweise. Am 14. September 1910 wurde er in Zürich geboren, als Großneffe des Malers Max Liebermann. Rolf Liebermanns Elternhaus in Zürich pflegte die Musik in bürgerlicher Tradition, er besuchte...
Schon 1986 meinte Wolfgang Rihm in einem Essay, man könne Nietzsche nicht «vertonen». Man könne überhaupt nichts vertonen, am allerwenigsten Nietzsche. «Aber Anlass zu Musik kann ein Text schon geben, vor allem ein frei rhythmischer, gedichteter; vor allem ein dichterischer Text von Nietzsche.» Mehrfach begegnet uns Nietzsche in Rihms Œuvre: in der dritten...
