Hochamt des Nihilismus
Fast 400 Jahre alt ist das Stück, aber es wirkt, als stamme es von heute. Tatsächlich zeigt «L’incoronazione di Poppea» eine Versammlung von Menschen, die nichts anderes kennen als das Ich. Sei es im Rom Kaiser Neros einige Jahrzehnte nach Christi Geburt, sei es im mächtigen, übersatten Venedig des Komponisten Claudio Monteverdi, sei es heute, im Zeitalter der Willkürherrscher und Selfiesticks – die Verhaltensmuster sind die gleichen.
Im Opernhaus Zürich legt Calixto Bieito den Finger genau darauf, und er tut das so unbarmherzig, wie es seine Art ist.
Die Bühnenbildnerin Rebecca Ringst hat ihm einen ovalen Laufsteg entworfen, von der Bühne über den Orchestergraben ins Auditorium und wieder zurück. Das schafft eine ungewohnte Nähe – die noch dadurch unterstützt wird, dass die Video-Einrichtung von Sarah Derendinger das Geschehen scharf heranzoomt und auf zweimal sieben Bildschirmen links und rechts im Raum vergrößert. Die Bühne selbst wird dominiert von einem steil ansteigenden Podest mit zusätzlichen Sitzplätzen sowie einer Mitteltreppe für Auf- und Abtritte.
Die Wirkungsmacht dieses Raumtheaters hat den Vorteil, dass das Egomane der Figuren in Monteverdis Oper krass zutage ...
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Opernwelt August 2018
Rubrik: Panorama, Seite 49
von Peter Hagmann
Schlag nach bei Shakespeare: «Better once than never, for never too late.» Dies sagt freilich nicht Othello, sondern Petruchio in «The Taming of the Shrew». Doch das Zitat zielt hier ohnehin nicht aufs Stück, sondern auf mögliche Überlegungen von Jonas Kaufmann, dem Debütanten in der Titelpartie von Verdis «Otello» in dieser Produktion an Covent Garden.
Einmal...
Schönes Foto. Es zeigt, schwarz-weiß in der einen, gelb durchstochen in der anderen Diagonale, die Büste eines Mädchens: etwa zwölf Jahre alt, Lockenkopf mit Seitenscheitel, Sommerkleid, ein hübsches Schleifchen im Haar, Blumen in der Hand, vorwiegend Rosen in verschiedenen Farben. Aber auch Lilien. Was noch stärker irritiert, ist der Blick des Mädchens. Er ist...
Teilweise wird die Bologneser Neuproduktion von Verdis «Don Carlo» (in der vieraktigen Mailänder Fassung von 1884) den hohen Erwartungen ja vollauf gerecht: zum Beispiel in Sachen Stimmqualität. Die berüchtigte Ensembleoper erfordert erstklassige Solisten in sechs Hauptrollen, am Teatro Comunale mangelt es in der Hinsicht an nichts. Und wenn Noch-Chefdirigent...
