Hinter der Fassade
Eine klaustrophobische Atmosphäre liegt über dem engen Hinterhof mit seinen verwaschenen Mauern und verwitterten Fensterläden. Regisseur Urs Häberli verlegt die Handlung von Janáčeks «Jenůfa» in ein beengtes Kleinstadtmilieu. Die Bewohner leben Tür an Tür; nichts von dem, was auf dem Hof vor sich geht, bleibt verborgen, stets ist ein Beobachter präsent, schier übermächtig die soziale Kontrolle. Hier eine Schwangerschaft zu verbergen, wie die traurige Titelheldin es verzweifelt versucht, grenzt ans Unmögliche. Das am Beginn des 19.
Jahrhunderts angesiedelte Bühnenbild von Anna Kirschstein, das mit seinen liebevollen historischen Details auf den ersten Blick ins Pittoreske zu tendieren scheint, erweist sich bei näherem Hinsehen als unentrinnbares Gefängnis.
Durch die Verengung des Raumes, in dem Häberli die Protagonisten aufeinandertreffen lässt, sind die zwischen ihnen bestehenden Konflikte gefährlich zugespitzt. Auch die unheilvollen Seelenlagen, die GMD Uwe Sandner im scharf konturiert spielenden Orchester heraufbeschwört, drohen die kleinbürgerliche Fassade zu sprengen. Angetrieben von der wilden expressiven Kraft, die aus dem Orchestergraben drängt, gewinnt die Bühnenhandlung ...
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Opernwelt April 2019
Rubrik: Panorama, Seite 38
von Silvia Adler
Leisten wir uns ruhig mal ein bisschen Name-Dropping. Das Stück hat es verdient. Gustav Mahler dirigierte «Dalibor» als Antrittspremiere an der Wiener Hofoper. 1897 war das – und gewiss kein Zufall. Die Titelpartie sang Hermann Winkelmann, jener Tenor, den Richard Wagner sich als ersten Parsifal nach Bayreuth geholt hatte. Schon vor Mahler hatte sich Münchens...
Gewagtes Bild. Gemalt hat dieses Porträt, das in der Dresdner Gemäldegalerie hängt und den Titel «Die Gambenspielerin» trägt, um 1640 Bernardo Strozzi, ein venezianischer Künstler, für den auch Monteverdi Modell stand. Es zeigt eine junge Frau mit ernst-traurigem Blick, einem Rosenzweig im Haar, die Gambe samt Bogen in der Linken, den rechten Arm lässig auf ein...
Unweit des Theaters an der Wien, im Kunsthistorischen Museum, sitzt der Kunstkritiker und Misanthrop Reger, vornamenloser Protagonist in Thomas Bernhards «Alte Meister», und grantelt: «Immer wieder nur ein Antlitz, kein Gesicht. Immer wieder nur ein Haupt, kein Kopf.» Dabei blickt er auf Gemälde von Velázquez, Giotto, Dürer. Auch im Bereich der musikalischen...
