Heute heißt der König Putin
Statt des aus Hexen- und Lady-Motiven montierten «Preludio» springen 15 Magdeburgerinnen im Parkett auf, kapern die Bühne, skandieren «Mädchen sind brav. War ich nicht. Ich war anders». Sie nutzen das Theater, um sich Gehör zu verschaffen, die Gruppe, um in ihr Schutz zu suchen. Der zornige Sprechchor rekapituliert rhythmisch klappernd die Geschichte einer von ihnen: Hochzeit, Kinder, Job, Scheidung, Leben als sexuelles Freiwild, Krebs, Schuldgefühle, Selbsthass, Männerhass. Dann fällt jäh die unheimliche Sturmmusik der ersten Szene mit ihrem gellenden Hexenkichern ein.
Die «Hexen» ziehen sich Pussy-Riot-Masken über. Ein riesiger Moos-Phallus wird auf «vien Macbetto» herabgelassen und zu Verdis Buffa-Chören jauchzend zerhackt: Karneval und Hexensabbat in einem. Wir verstehen. Heute heißt der König Putin.
Und so geht es weiter. Volker Lösch, der seit 2003 im Schauspiel versucht, mittels Feldforschung und Sprechchören Betroffener die Konflikte klassischer Stücke in unserer Welt aufzufinden, inszeniert erstmals Oper. Er behandelt «Macbeth» nicht als Museumsstück, sondern als Material. Er klopft es auf seinen aktuellen Gehalt ab, scheidet Übergänge, Strukturbildendes aus (Preludio, ...
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Opernwelt Januar 2014
Rubrik: Im Focus, Seite 12
von Boris Kehrmann
Mit einem Schrei der Senta wird der Zuschauer in die Pause entlassen. Der Regisseur Alexander Nerlich legte sie auf den Beginn des Finales zum zweiten «Holländer»-Akt, wo der geheimnisvolle Mann erstmals in Sentas Blickfeld tritt, genauer: wie von einer unsichtbaren Macht auf die Bühne geworfen wird. Nerlich geht es in dieser Geschichte vor allem um den Einbruch...
Die Mannheimer Uraufführung von Bernhard Sekles’ erster Oper «Schahrazade» dirigierte 1917 der 31-jährige Wilhelm Furtwängler. Fritz Stiedry spielte sie mit Lola Artôt de Padilla 1920 an der Berliner Staatsoper, Clemens Krauss 1921 in Frankfurt nach. Weitere Inszenierungen kamen in Aachen, Hamburg, München, Stuttgart, Düsseldorf, Duisburg, Wiesbaden, Lübeck und...
Crossover? Da hebt sich in Deutschland noch immer manche Braue – wie man in den diversen Internetforen, die sich mit E und U beschäftigen, feststellen kann. Denn die Kategorien der E-Musik – von Beamten des 19. Jahrhunderts erfunden und Sammelbegriff für wertvolle, doch kommerziell vergleichsweise chancenarme Werke – und jene ihrer sich vermeintlich...
