Helles Silber, dunkles Erz
Unter den «Nachtigallen», deren Blütezeit nach dem Zweiten Weltkrieg zu Ende ging, nahm die früh an Leukämie erkrankte Mado Robin (1918-1960) eine Sonderstellung ein, da sie ein ausgesprochenes Stimmphänomen war. Sie soll angeblich das viergestrichene C erreicht haben, auf jeden Fall entfaltete ihre Stimme über dem dreigestrichenen C ihre ganze Eigenart (und das heißt konkret: einen durchaus noch natürlichen Klang). Sie war eine unvergleichliche Mireille und Lakmé, aber sie beeindruckt auch im italienischen Fach als Rosina, Lucia und Gilda sowie als Königin der Nacht.
Auch zwei hierzulande wenig bekannte Bravourstücke ihres Fachs wie die Couplets de Mysoli aus Félicien Davids «Le Perle de Brezil» und die Lacharie aus Aubers «Manon Lescaut» fehlen in der Preiser-Sammlung aus frühen Decca- und HMV-Aufnahmen nicht. Es ist durchaus legitim, dass Robin ihre Qualitäten ausspielt und in allen Arien nicht komponierte Stratosphärentöne einbaut. Sie ist aber alles andere als ein Singautomat, sondern hat den Seelenton der echten Nachtigall.
Eine Trouvaille für Stimmenkenner ist Maria Gentile (1902-1993), die ihrem Namen alle Ehre macht. Ihre Karriere verlief merkwürdig. Sie ist zwar nie an ...
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