Hell und dunkel
Wir sollten Wagners «Meistersinger» doch bitte nicht zu ernst nehmen, forderte David Alden in einem Interview zur Premiere. Und tatsächlich kaspert sich der viel beschäftigte Brite veritabel durch die drei Aufzüge. Das ist zumindest eine Seite seiner Inszenierung, die allerdings auch immer wieder ins Dunkle, Abgründige, buchstäblich Nachtschwarze kippt. Statisten durchgeistern mit riesigen, geschwollenen Pappköpfen die Szenerie. Sie sollen wohl eine bis zur Groteske verzerrte Künstlergilde darstellen.
Die «echten» Meister sind allerdings auch eher merkwürdig, basteln an Musikinstrumenten, wippen und tänzeln. Alden zeigt hier Karikaturen, die manchmal zu (Alp-)Traumfiguren mutieren, welche vor allem den verschlagenen Sixtus Beckmesser (exzellent: Adrian Eröd) heimsuchen. Dieser Beckmesser wirkt äußerst seltsam. Erst trägt er ein Glitzerkleid, dann Strapse, sein finales Preislied singt er aus einem Krankenbett. Demgegenüber ist Walther von Stolzing (mit edlem Timbre: Roberto Saccà) ein harmloser Geselle, obwohl er am Ende in lohengrinhafter Ritterrüstung auftritt und mit seiner angebeteten Eva (ein akustischer wie optischer Genuss: Agneta Eichenholz) wohl für immer der ...
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Opernwelt August 2013
Rubrik: Panorama, Seite 42
von Jörn Florian Fuchs
Erfolgreiche Wiederbelebungen barocker Opern haben in Glyndebourne Tradition: zunächst mit Werken von Cavalli und Monteverdi in den 1960er- und 1970er-Jahren, ab Mitte der Neunzigerjahre dann mit Händel- und zuletzt mit Purcell-Opern. Auch in diesem Jahr setzte die Festival-Leitung diese programmatische Linie fort und wartete zum ersten Mal mit einer Oper von...
Ist das Richard Wagner? Ist das der an mangelndem Selbstbewusstsein wahrlich nicht leidende Meister von Bayreuth, der Zukunftsmusiker, der da auf dem Boden kniet und sich verzweifelt die Ohren zuhält? Und das in Gegenwart eines Frauenterzetts, das ihm sein eigenes «Hojotoho» entgegenschleudert. Ist das jener R., den Ehefrau Cosima in ihren Tagebüchern als «doch...
Die Königin der Nacht: mochte sie nicht («Keine Chance, aus der Figur etwas zu machen», sagte sie unlustig im Vorfeld der Salzburger «Zauberflöte» von Achim Freyer im Jahr 1997). Blondchen: mochte sie auch nicht. Überhaupt: Es gebe sehr wenige Rollen für sie, mit ihrer kleinen Stimme. Und jetzt, mit 48, denkt sie ans Aufhören. Juliette? Lucia? Adina? «In meinem...
