Heißgelaufen: Eine deutsche Traumarevue
Eine Kunstdebatte tobt in Hannover – die «Freischütz»-Inszenierung des Dortmunder Schauspielchefs Kay Voges hat sie ausgelöst. Nach dem Buh- und Bravo-Orkan der Premiere ging es erst richtig los. Der kulturpolitische Sprecher der CDU-Ratsfraktion, Oliver Kiaman, rief den Kulturdezernenten zum Durchgreifen auf: Er solle «bei aller Freiheit der Kunst dafür Sorge tragen, dass die Schätze, die uns Dichter und Komponisten hinterlassen haben, lebendig bleiben und nicht ins Niveaulose und Beliebige gezogen werden.
» Das klingt nach Zensur, bedenklich in Zeiten überall sich anbahnender undemokratischer Entwicklungen – man denke an Polen oder Ungarn. Nach heftigen Protesten ruderte Kiaman zurück und ließ sich mit der Bemerkung vernehmen, es sei doch schade, dass viele Schüler den «Freischütz» nicht sehen könnten, da die Inszenierung erst ab 16 Jahren freigegeben sei.
Kay Voges hat Carl Maria von Webers «Freischütz» aufgebrochen und als Diskurstheater mit drastischen Bildern inszeniert. Er geht damit weit über sein Musiktheaterdebüt mit Wagners «Tannhäuser» in Dortmund hinaus (siehe OW 2/2014). Gleich die erste Freikugel aus Max’ Flinte trifft eine Frau mit Kopftuch und Kinderwagen. Darauf ...
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Opernwelt Februar 2016
Rubrik: Panorama, Seite 39
von Stefan Keim
Ich habe einen Hang zur Faulheit. Meine neueste Lebensentscheidung kann man deshalb nur als Irrsinn bezeichnen. Ich geb jetzt nämlich auch den Regisseur. Warum denn nicht? Zwei wichtige Voraussetzungen bringe ich mindestens mit: eine ordentliche Portion Arroganz und ein schrilles Outfit für die Premiere.
Vorgestellt hatte ich mir das folgendermaßen: Inspirierende...
«Das Vertrauen junger Menschen erwirbt man am besten dadurch, dass man nicht ihr Vater ist»: Der Aphorismus von Henry de Montherlant könnte als Gebrauchsanweisung für Verdis «Luisa Miller» (1849) dienen. Luisa und ihr Geliebter Rodolfo würden dem Franzosen dafür vermutlich all die Rosen streuen, die in Paul Esterházys Grazer Inszenierung so reichlich appliziert...
Endlich wieder ein Skandal an der Pariser Oper! Es ist erfrischend. Gelacht wird in der Aufführung, gerufen und geheult, so laut, dass der sonst so gelassene Philippe Jordan den Zuschauerraum um Ruhe bitten muss, damit man wenigstens das (von Christophe Grindel betörend schön gespielte) Englischhornsolo hören kann. Seit den Gerard Mortier-Jahren haben wir eine...
