Heikle Beziehungen
Zum großen Gedenkjubiläum haben die Hallenser dem berühmtesten Sohn ihrer Stadt auf dem Marktplatz ein paar Matten Fertigrasen spendiert. Kunstdüngergrün schimmert es um den Marmorsockel des gut drei Meter hohen Bronze-Händel. Seit 150 Jahren blickt der Meister nun schon von dort oben durch die Türme der Marienkirche in die Ferne. Ein majestätischer Kopf schaut unter der Allongeperücke hervor; ein hellwacher Geist, der vor Ideen sprühte, der mehrere Sprachen beherrschte und keine Mühe hatte, die Mächtigen seiner Zeit für sich einzunehmen.
Ein Mann von Welt, der die intellektuelle und sinnliche Vitalität des urbanen Lebens schätzte. Kein Wunder, dass so einer (als 18-Jähriger) die erstbeste Gelegenheit nutzte, um die Enge seiner protestantisch-provinziellen Heimat hinter sich zu lassen.
Zweieinhalb Jahrhunderte nach dem Tod des Komponisten ist diese Einsicht das Leitmotiv der neuen Dauerausstellung, die unlängst in dem für 2,1 Millionen Euro sanierten Händel-Haus an der Nikolaistraße eröffnet wurde. Die auf 14 Räume verteilten rund 160 Gemälde, Stiche und Dokumente (darunter Originalpartituren aus der British Library) rücken bewusst den «Europäer» Händel ins Blickfeld – seine in ...
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Im Jahr 1977 brachte EMI unter dem Titel «The Record of Singing» zwölf Langspielplatten heraus. Es war «der Versuch, einen Überblick über die Kunst des Singens, wie sie auf Platten überlebt hat, zu geben». Die Idee zu diesem Projekt ging auf den britischen Sammler Vivian Liff zurück, der sowohl die Sänger als auch die Titel aussuchte. Die opulente Kassette schloss...
Als Howard Griffith sich entschloss, den Musikerberuf an den Nagel zu hängen, um Dirigent zu werden, war ihm gerade ein Schauspieler auf den Kopf gefallen. Und das kam so: Der Brite arbeitete damals an der Zürcher Oper. Die halbe Stelle als Bratschist hatte er vor allem mit Blick auf seine junge Familie angenommen, denn seit Langem drängte es ihn eigentlich vom...
Paul Celan ist heimgekehrt. 1958 verlieh man ihm den Literaturpreis der freien Hansestadt Bremen, jetzt produzierte das Bremer Theater die 2001 in Dresden uraufgeführte und seitdem von Mainz und Köln nachgespielte «Celan»-Oper von Peter Ruzicka. Eine Aufführung, die trotz großer Meriten die schon geäußerten Zweifel an diesem Werk (OW 5/2001 und 6/2003) nicht...
