Hartmann, Mozart, Grétry im Praxistest
Es ist eine alte Geschichte, doch bleibt sie immer neu: In der Kunst geht nichts ohne Form. Die besten Ideen verblassen und alle kreative Energie verpufft, wenn es keinen Rahmen, keinen roten Faden gibt, die ästhetische (Ent-)Äußerungen fokussieren. Das gilt erst recht für Strategien, die künstlerische Wahrheit aus der Verletzung etablierter Regeln und Kodes oder aus der gezielten Enttäuschung von Erwartungen zu schlagen hoffen. Wer mit dem Tradierten bricht, muss umso klarer, konzentrierter die Sprache (und die Bezugspunkte) dieses Bruchs formulieren.
Dass der provokative Gestus oft sein Ziel verfehlt, stumpf, mitunter gar bieder wirkt, statt Hirn und Herzen zu bewegen, liegt meist an der diffusen Bestimmung seines Woher und Wohin, Wie und Warum. So besteht der Sinn von Musik- und Kunsthochschulen nicht nur darin, Fachkenntnisse zu vermitteln, sondern auch darin, dass schöpferisches Stürmen und Drängen sich dort an Zwischenrufen erfahrener Fachkräfte abarbeiten muss, um – im besten Fall – die eigene Stimme zu finden.
Die Universität der Künste in Berlin-Charlottenburg schickt seit sieben Jahren angehende Theaterleute in konzertierte Praxistests. Gesang und Schauspiel, Dirigieren ...
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Opernwelt Juni 2011
Rubrik: Magazin, Seite 66
von Albrecht Thiemann
Herr Valentine, Sie haben mit Ihrer Dauerpräsenz im Musiktheater quasi ein neues Fach kreiert: den Opernschauspieler.
Ich halte nichts von solchen Etiketten. Mir geht es darum, am Rand zu bleiben. Für Schauspieler ist es immer gut, Distanz zu wahren.
Empfinden Sie es als Vorteil, nicht im Opernsinne singen zu können?
Für mich ist Sprache Musik. Das kann man gar nicht...
«300 Jahre Theater in Darmstadt»: Man kann ein solches Jubiläum ganz unterschiedlich feiern: mit einer Festoper etwa, Wagner ist immer gut geeignet, oder mit neuen Werken. Oder: mit Kostproben aus allen Genres und Sparten. In dieser Spielzeit hat Darmstadt nicht nur «Fidelio», «Rheingold» und «Walküre» auf dem Premierenprogramm stehen, sondern auch zwei...
Mit ihrem Debüt-Recital «Jardin nocturne» verabreicht uns Isabelle Druet eine konzentrierte Dosis französischer Salon-Melancholie. Das Programm ist riskant, denn die 19 Lieder von sieben französischen Komponisten umkreisen die immer gleiche, depressive Nachtstimmung. Da droht Monotonie. Zumal sich das Repertoire literarischer Requisiten bald erschöpft. Das...
