Gute Unterhaltung
Der letzte Tag einer Ehe, so könnte man die Geschichte von Medea überschreiben. Einer nicht besonders glücklichen Ehe natürlich, denn Medea ermordet ihre eigenen Kinder. Luigi Cherubini hat diesen mythischen Stoff 1797 vertont: ein Meisterwerk irgendwo zwischen Klassik und Romantik, das dank Maria Callas nicht ganz vergessen wurde. Derzeit erscheint es plötzlich überall auf dem Spielplan, auch bei der Reisoper im niederländischen Enschede.
Berichte über Kindermorde durch Eltern liest man mehr denn je in den Tageszeitungen.
Das Thema ist heute also genauso aktuell wie im antiken Griechenland oder im von der Revolution zerrütteten Paris zu Cherubinis Zeiten. Bariton Dale Duesing, der vor einiger Zeit sein erfolgreiches Regiedebüt in Frankfurt gab, zeigt bei «Medea» eine verfremdete und doch zeitgenössische Welt, in der die Menschen scheinbar glücklich in Frieden zusammenleben, obwohl man Gruppenzwang und dogmatische Ehrfurcht spürt. Eine Anspielung auf die in einer vorindustriellen «heilen» Welt verharrende Sekte der amerikanischen Amish People? Es sind gerade homogene, geschlossene Gesellschaften, die Außenseiter und Kritiker verstoßen und damit Widerstand und Rache provozieren.
Dies ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Ähnelt die Turnhalle mit täuschend echt markiertem Parkettboden, den Mathis Neidhardt für Engelbert Humperdincks «Königskinder» in Zürich ausgelegt hat, nicht dem Klassenzimmer, in dem Peter Konwitschny seinen spektakulären Hamburger «Lohengrin» spielen ließ? Doch ein solches Zitat ist erlaubt, wenn man das Märchen-Libretto der «Königskinder» so gründlich und wach...
Von manchen außerabendländischen Ohren, aber auch von minder hochkunstmäßig geübten hiesigen, wird, so liest man, theatralisches Pathos, gehobenes Sprechen insgesamt, als eine Art von Wut, von Schimpfen empfunden. In gewisser Weise haben sich Komponisten und in der ferneren Folge auch Gesangskünstler diesen wohl in die Urmenschheit zurückreichenden,...
Wanderer, kommst du nach Meiningen und schaust dort im Theater «Elektra» von Strauss, dann ahnst du, was der Mensch anzurichten imstande ist. Voller Blut ist am Ende die Bühne. Alles, was hoffte, glaubte und liebte: hingerafft vom unstillbaren Durst der Rache. Inmitten der Blutorgie Orest, in der Hand das Beil. Wie ein Schrei gegen die Verwüstungen der Welt klingt...
