Schwanentanz: Rainer Hustedt (Kurt), Rainer Domke (Bence); Foto: Rolf K. Wegst
Großes Aufgebot
Eben noch singt die einsame Dame des Hauses ein melancholisches Lied. Da öffnen sich plötzlich alle Türen, und im Nu füllt Festgesellschaft die Bühne, Champagner fließt in Strömen, und alles dreht sich im Walzertakt. Ja, das ist Operette! Wenn dann noch der Zigeunerprimas hereintritt und seine Geige schluchzen lässt, wissen wir: Das ist Operetten-Ungarn, das Land von Kálmán Imre, seiner liebenswerten Kunst. Und nun kommen auch noch die Husaren, fesch, schneidig! Die Trompete bläst zum Herbstmanöver. Die schlanken k.u.k.
-Offiziere lassen sich von den versammelten Weiblichkeiten bewundern. Die Kanonen donnern, die Befehle donnern, die beleidigte Ehre donnert. Wenn es keine brenzligen Missverständnisse gäbe, wäre das Stück schnell aus. So aber dauert’s satte drei Stunden, bis sich die Baronin und der Oberleutnant glücklich finden.
Nein, im Gießener Stadttheater wird bei der leichten Muse nicht gegeizt! Aus der ungarischen und der Wiener Fassung von Kálmáns «Ein Herbstmanöver» sowie mit einigen zusätzlichen Musiknummern zimmerten Regisseur Balász Kovalik und GMD Michael Hofstetter einen umfänglichen, runden Theaterspaß. Kovaliks pfiffig aktualisierter Text (das Original-Libretto ...
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Opernwelt Dezember 2017
Rubrik: Panorama, Seite 44
von Hans-Klaus Jungheinrich
Ein gesunder Geist in einem gesunden Körper – diese alte Behauptung, die später von den Nazis rassistisch missbraucht wurde, beflügelte im späten 19. Jahrhundert auch die tschechischen Turnvereine unter dem Label «Sokol» (Falke). Turnen und körperlicher Drill sollten die von Österreich unterdrückte Nation geistig, moralisch stärken; bald konzentrierten sich zudem...
Die Wanduhr steht auf 6:57. Zwei, drei, vielleicht fünf Minuten, dann wird es vorbei sein. Von der Seite schauen Wachleute ungerührt zu dem Mann herüber, der, auf einer Pritsche festgeschnallt, noch mal den Kopf hebt und verzweifelt durch das bruchsicher verglaste Fenster blickt, hinter dem eine Gruppe Zivilisten sitzt, stumme Zeugen seiner Hinrichtung. Das...
Liebe Frau Tsallagova, kennen Sie die Geschichte von Tanaïs?
Erzählen Sie sie mir!
Tanaïs war eine kaukasische Königstochter, die mit ihrem Volk am Schwarzen Meer lebte, unweit des heutigen Ossetien. Eines Tages überfiel der äthiopische König Vexeris das Land der Skythen, ließ die gesamte männliche Bevölkerung ermorden und erwählte sich Tanaïs zur Braut. Die aber...
