Groß im Kleinen

Die Theater- und Orchestergemeinschaft Biel-Solothurn ist immer Stadtgespräch – auch wenn Intendant Dieter Kaegi Einakter von Eötvös und Sciarrino kombiniert

Opernwelt - Logo

Mitte Dezember, ein Samstagmorgen auf dem Hauptplatz in Biel. Markant das in die Häuserzeile eingebaute Stadttheater, davor herrscht Wochenmarkt. Bunt ist das Angebot, es wird gelacht und geplaudert – man kennt sich eben. Vielleicht wird auch über die Opernpremiere von gestern gesprochen, einen Abend mit zwei Einaktern aus dem späteren 20. Jahrhundert. Vor der Pause gab es «Radames» von Peter Eötvös, 1976 in Köln uraufgeführt, ein witziges Stück mit schräger Musik.

Gezeigt wird eine Opernprobe, das Finale aus Verdis «Aida» – doch ist das Theater derart kaputtgespart, dass nur noch ein einziger Sänger zur Verfügung steht: ein Countertenor (Rafał Tomkiewicz); er verkörpert Radames und Aida zugleich, wird aber von drei Regisseuren (Céline Steudler, Konstantin Nazlamov, Javid Samadov) in einem vielsprachigen Tohuwabohu so lange bedrängt, bis er sein Leben aushaucht. Das gespielte Sterben wird da als ein wirkliches vorgespielt. Lustvoll geben sich die Darsteller in der Inszenierung von Bruno Berger-Gorski ihren Aufgaben hin, während ein schütteres Restorchester mit dem Dirigenten Yannis Pouspourikas am Clavinova für gute Laune sorgt.

Einmal mehr bestätigt sich: Abseits der Hauptstraße ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Februar 2019
Rubrik: Magazin, Seite 68
von Peter Hagmann

Weitere Beiträge
Kurz und knapp

Sie war eine der großen Diven des 20. Jahrhunderts, auf der Opernbühne wie im Film, doch in Deutschland, wo ihre Weltkarriere begann, scheint der Nachruhm verblasst: Jarmila Novotná (1907-1994), Schülerin der nicht weniger bedeutenden Emmy Destinn. Im hohen Alter schrieb sie ihre Lebenserinnerungen auf; kürzlich erschienen diese in englischer Übersetzung und...

Pures Vergnügen

Antonio Vivaldis Oper über den illyrischen Bauernsohn Giustino, der 518 den oströmischen Kaiserthron bestieg, ist ein bühnenwirksames Spektakel, das nach zahlreichen kriegerischen Verwicklungen und erotischen Intrigen schließlich zu einem Happy End führt. Der Librettist plünderte ein älteres Textbuch (das Händel erneut benutzen sollte), der Komponist übernahm die...

Ein Gastmahl in Zeiten der Pest

«Wozu darüber reden? Jeder weiß doch Bescheid. Alle wissen, dass es absurd ist», sagt der Schauspieler Philipp Avdeev, auf die Zurückhaltung angesprochen, die sich die Mitarbeiter des Moskauer Gogol-Zentrums auferlegt haben, wenn es um das Prozessverfahren geht, das ihren Künstlerischen Leiter seit August 2017 mit Hausarrest sanktioniert. Und er fährt fort: «Als...