Grenzgänger zwischen Klang und Wort
Die Zäune zwischen «absoluter» und «angewandter» Musik, also auch der für die Bühne, trennen seit je sogar die Komponisten. Assoziiert man die einen, fast reflexhaft, mit Oper: Monteverdi, Lully, Weber, Rossini, Donizetti, Verdi, Puccini, Bizet, Gounod, Massenet, Offenbach, so die anderen mit instrumentalen Genres: Scarlatti, Paganini, Chopin, Brahms, Bruckner, Sibelius, Varèse, Webern, Ives, Boulez, Xenakis, Kurtag. Nur bei einem scheint, schier Yin-und-Yang-haft, die interaktive Balance gewahrt: Mozart.
Und nicht nur das: So wie manche Opern-Finali parasinfonisch gesteigert wirken, so entdeckt man in Orchester-, Kammer- und Klaviermusik immer mehr immanent theatrale Charaktere, Situationen, Gesten. Unlängst hat Siegfried Mauser mit seiner Einspielung der Klaviersonaten erhellende Schlaglichter gesetzt, imaginäre Bühne und Eduard Hanslicks «Spiel tönend bewegter Formen» versöhnt.
Unter den wichtigen Komponisten der Gegenwart scheint diese wechselseitige Durchdringung der Sphären am weitesten getrieben bei Beat Furrer. Sieben gewichtige Werke für das Musik-Theater hat er bislang geschaffen – und dennoch zögert man, ihn als Opernkomponisten zu bezeichnen. Auch wenn sein jüngstes ...
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Opernwelt Jahrbuch 2015
Rubrik: Uraufführung des Jahres, Seite 47
von Gerhard R. Koch
Niccolò Jommelli (1714-1774) «mischte italienische und französische Elemente nicht mehr oder weniger, sondern anders als Gluck und Traetta – nur dass Gluck besser auf der Klaviatur der Medien spielte und sich gezielter international vermarketete» (OW 4/2015). Zu Jommellis 200. Geburtstag setzten Jossi Wieler und Sergio Morabito an der Oper Stuttgart «Berenike,...
Verschiedener könnten sie kaum sein. Ruhig, zurückhaltend, geradezu wortkarg der eine. Wenn er spricht, dann meist in elliptischen Sätzen, die Fährten legen ins Freie. Hinaus ins Land, wo Fantasie und Spiel blühn. In einen Kosmos, der seit bald 50 Jahren sein Zuhause ist. Weil er ihn jeden Tag überrascht, inspiriert, in Bewegung hält. Vital, mitteilsam, geradezu...
Wenn man Elena Sancho Pereg auf der Bühne der Düsseldorfer Rheinoper erlebt, vergisst man fast, dass sie singt. Zuallererst wird man gebannt von ihrem Spiel, ihrer faszinierenden Erscheinung. Erst dann registriert man die Qualität ihrer Stimme. In der Theaterwelt bezeichnet man eine solche Ausnahmebegabung auch als «Bühnentier». Der Begriff bezeichnet sehr treffend...
