Gounod: Roméo et Juliette
Type Casting in der Oper ist ein heikles Thema und dürfte eigentlich keine Rolle spielen, doch dieses Stück bildet eine Ausnahme: Wenigstens ansatzweise glaubwürdig sollte ein Roméo sein. Ramon Vargas ist das nicht. Naiv lächelnd und mit dem unwiderstehlichen Charme eines Baby-Elefanten tappst der über die Bretter. Von Schwärmerei, Liebesrausch, Verzweiflung keine Spur.
Natürlich kommt der Mexikaner mehr als achtbar durch «Ah! lève-toi, soleil»; an Corelli, Kraus, Gedda, Villazon indes sollte man dabei besser nicht denken, denn wo die Kollegen in dieser Arie tatsächlich ein Psychogramm entwerfen (oder doch zumindest erahnen lassen, was emotional abläuft), reiht Vargas mehr oder weniger schöne Töne aneinander.
Dass Natalie Dessay wenige Stunden vor der Premiere absagte, machte die Sache nicht besser. Ihr Cover Maureen O’Flynn sprang ein und kam ohne Nervenzusammenbruch durch den Abend, angesichts des Premieren- und Erwartungsdrucks, der auf ihr lastete, keine geringe Leistung. O’Flynn, eine attraktive Bühnenerscheinung, schlug sich tapfer, auch wenn ihr Gesang unter bisweilen schneidender Schärfe und einem bedenklichen Vibrato litt.
Stéphane Degout gelang es, die Lethargie mit ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Warum ist es für Firmen interessant, Kultur zu fördern?
Zunächst muss man Kultursponsoring kurz definieren: Der Begriff wird ja oft sehr weit gefasst, wenn man dazu zum Beispiel auch Spenden oder mäzenatische Mittel zählt. Kultursponsoring ist im Gegensatz zur Spende eine Zusammenarbeit von Unternehmen und Kulturinstitutionen, in der das Unternehmen für seine...
Sie ist die Strippenzieherin im Reiche Roms. Sie will den Kaiser ermorden lassen, weil der es zunächst ablehnt, sie zu heiraten. Vitellia ist eine Auftraggeberin für Killer, die die schmutzige Arbeit an ihren Geliebten Sesto delegiert und am Ende doppelt glücklich davonkommt, weil das Attentat gescheitert ist und sie ausgerechnet von ihrem Wunschopfer begnadigt...
Fast zehn Jahre hat sich Pascal Dusapin für sein viertes Bühnenopus «Perelà – uomo di fumo» Zeit genommen. Und – um es vorweg zu sagen – jede Minute der ausgedehnten Inkubationsphase hat sich ausgezahlt: ein großer Wurf! In dem durch einen Roman des italienischen Futuristen Aldo Palazzeschi («Il codice di Perelà», 1911) inspirierten, 2003 an der Pariser...
