«Gott helfe mir!»
Herr Domingo, Sie nehmen in diesen Wochen unter der Leitung von Antonio Pappano den kompletten «Tristan» auf – nach über vierzig Bühnenjahren und fast neunzig Opern-Gesamtaufnahmen. Was treibt einen Sänger, der es sich mit Konzerten und Galas viel leichter machen könnte, zur schwierigsten Partie des gesamten Tenorfachs?
Eben die besondere Herausforderung. Und die Liebe zur Rolle. Tristan ist die anspruchsvollste und gefährlichste Partie, die je für einen Tenor geschrieben wurde – und zugleich auch eine, der man kaum widerstehen kann.
Sie hat mich immer sehr gereizt, musikalisch und darstellerisch. Und ich war zweimal kurz davor, sie auch auf der Bühne zu singen. Ich hätte sie vor fünfzehn Jahren in Bayreuth singen können und vor acht Jahren an der Wiener Staatsoper. Aber ich habe mich dann dagegen entschieden, und ich denke nach wie vor, dass meine Entscheidung richtig war. Der Tristan hätte mit Sicherheit meine Karriere verkürzt. Dafür braucht man die Stimme und das Durchhaltevermögen eines echten Heldentenors, und das bin ich nun mal nicht. Ich bin ein Lirico spinto, ein Tenor, der sowohl lyrische als auch dramatische Partien singen kann. Lohengrin, Siegmund und Parsifal liegen ...
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Jörg Widmann freut sich darüber, dass der Münchner Uraufführung vor anderthalb Jahren relativ schnell eine zweite Inszenierung von «Das Gesicht im Spiegel» folgt. Außerdem muss nicht wie im Cuvilliés-Theater gegen eine trockene Akustik angekämpft werden, so dass viele Details der Partitur besser zur Geltung kommen – wichtig bei einem so klangorientierten...
Rossinis «Barbiere» wird, allen unter der heiteren Oberfläche verborgenen Abgründen zum Trotz, gern auf den Boulevard der unbekümmerten Lustbarkeiten geschickt. Wer Doktor Bartolo als gockeligen Trottel vorführt, Rosina als ein in Liebesdingen vollreifes Girlie präsentiert, Almaviva zum flotten Freier stilisiert und in Figaro die auf Verkupplungsgeschäfte...
Ein gutes Jahr noch, dann gehen die alten Lotsen von Bord. Zum Ende der Spielzeit 2005/06 werden Sir Peter Jonas und Zubin Mehta Münchens Musiktheater-Flaggschiff an Christoph Albrecht und Kent Nagano übergeben. Was den designierten Generalmusikdirektor betrifft, scheint die Vorfreude schon jetzt hohe Wellen zu schlagen. Zwar war Bayerns Kapitale zu Naganos...
