Götzendämmerung in der Wüste
Darauf war man gespannt: wie Nigel Lowery, kaum dass «Katrina» abgeklungen war, «seinen» Hurrikan auf Mahagonny zurasen lässt. Dass seine Arbeit an «Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny» bereits fortgeschritten war, als die Jahrhunderttragödie über New Orleans hereinbrach – gewiss. Dass ihm – vor lauter Schreck? – außer einer sich ängstlich zusammenrottenden und ärgerlich schlecht geführten «Menge» in albernen Regenhäuten nicht eine zündende Idee eingefallen ist, mutet dennoch enttäuschend an.
Lowery, der Regisseur und Ausstatter, ist acht Jahre nach seinem skandalträchtigen «Hänsel und Gretel»-Überfall Basels anhänglichster Opernunruhestifter. Und auch diesmal lässt er sich, wiewohl so brav wie lange nicht, in puncto Überraschungen nicht lumpen, sobald erst mal auf einer Leinwand eine mannshohe Ratte dem Unwesen ihrer Artgenossen zwischen den Wolkenkratzern präludiert und das Sündenbabelgründungstrio sich in silbrigem Astronauten-Outfit durch den Bühnenboden wie auf den Mond heraufgearbeitet hatte. Dort bewegt es sich fortan in Arztkitteln. Indes, der Mond ist schon bewohnt, eine (Platten-)Baustelle, deren monitorreiche Schaltzentrale bald angeworfen ist.
Natürlich, es setzt ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Historische «Anfänge» sind immer heikel. Nachdem Wolfram Steude 1991 einen Brief Heinrich Schütz’ vorweisen konnte, der zweifelsfrei belegt, dass dessen von Friedrich dem Großen vorsätzlich vernichtete «Dafne» (1627), «die erste deutsche Oper», überhaupt keine Oper war und weil Sigmund Stadens «Seelewig» (1644), die «erste erhaltene deutsche Oper» (siehe OW...
Die Riesenbühne der Pariser Bastille-Oper lädt zu großen Bildvisionen ein. Warum nur, wie’s im Textbuch steht, eine enge nächtliche Straße mit schäbiger Taverne im Hintergrund, wenn man sich gleichsam das ganze Paris in Form einer Landschaft aus Dächern, Kaminen, hohen Mietskasernen im Hintergrund und unter einem nachthellen Himmel auf die Szene zaubern kann?...
Gleich am ersten Abend gibt es ein farbiges, lebendiges Kontrastprogramm: Nach dem «Don Quixote» von Richard Strauss, einigen abenteuerlich ineinanderfließenden Szenen aus dem «Rosenkavalier», mit dem die Finnische Nationaloper Helsinki in der Turun Konsert-titalo gastiert (Ritva-Liisa Korhonen singt die Marschallin, Lilli Paasikivi ist Oktavian, und Tiina...
