«Glücklichsein und tiefe Einsamkeit»

Vor 200 Jahren kam Robert Schumann zur Welt. Ein Blick auf neuere Literatur über einen modernen Romantiker, der schwer zu fassen ist

Opernwelt - Logo

Anders als Bach, Mozart oder Beethoven hat Schumann mit seinen Biografen wenig Glück gehabt. Das letzte, zum Schumann-Jahr 2006 erschienene Buch von Martin Demmler («Ich hab’ im Traum geweinet») war gar ein intellektueller und sprachlicher Offenbarungseid – ein Text, der weder dem Menschen noch dem Musiker Schumann gerecht wird (statt die Restbestände dieses Opus schamhaft verschwinden zu lassen, bietet der Stuttgarter Reclam Verlag sie jetzt zum Sonderpreis feil). Schumann, das sei eingeräumt, hat es seinen Biografen allerdings auch schwer gemacht.

Er hat, so Peter Gülke, «noch einmal alles gewollt – bei den Gattungen, im Zugleich von Komposition und Musikschriftstellerei, von kreativer Egozentrik und rückhaltloser Bewunderung der Musik Anderer, im Beieinander von riskanter Künstler- und bürgerlicher Existenz.» Wer über Schumann nachdenkt und schreibt, muss nicht nur die Extreme eines weit verzweigten, komplexen Œuvres bewältigen, sondern sich auch mit schriftlichen Quellen (Briefen, Tagebüchern, Kritiken) von hohem literarischem Anspruch auseinandersetzen – eine Aufgabe, die angesichts der Lebenskatastrophe, ihrer Idealisierung, Verleugnung oder Verharmlosung durch die Mit- und ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Juni 2010
Rubrik: Medien/Bücher, Seite 26
von Uwe Schweikert

Vergriffen
Weitere Beiträge
Geschärfte Wahrnehmung

Dreimal Festspielauftakt im Juli 2009 – aber deshalb gleich drei Fälle für den DVD-Markt? Profiterwartung schlägt da künstlerische Notwendigkeit. Denn ob «Lohengrin» aus München oder «Aida» aus Bregenz: Es gibt wahrlich bessere Produktionen auf Silberscheiben. Einzig die Salzburger «Theodora»-Inszenierung, von Christof Loy als Oper ohne alles im Großen Salzburger...

Viel Lärm um nichts

Krass auseinanderdriftende Premierenkritiken, heftige Publikumsreaktionen noch in der dritten Vorstellung: Den Titel der «umstrittensten Produktion der Saison» dürfte die Komische Oper für ihren neuen «Fidelio» sicher haben. Nach den letzten, erschreckend belanglosen Premieren («Don Pasquale», «Orlando») kann man das immerhin als Lebenszeichen werten – ob der...

Gestochene Akzente

Als Händel 1751 sein Oratorium «Jephta» schrieb, war die Welt des Ancien Régime noch intakt: Während dreißig Jahre später Mozarts Idomeneo abdanken wird, nachdem ihn das Eingreifen Gottes an der Opferung seines Kindes gehindert hat, ist bei Händel der himmlische Gnadenakt noch die Bestätigung herrscherlicher Autorität. Der Monarch, der die Treue gegenüber seinem...