Glück aus dem Graben
«Die Sitze sind eng, hölzern hart und bemerkenswert unbequem», urteilte der Reiseschriftsteller Horst Krüger 1987 über den «Arbeitsplatz» der Zuschauer im Bayreuther Festspielhaus. Es muss also schon etwas mit den Inhalten zu tun haben, wenn das Publikum nach einer rund sechsstündigen Aufführung emphatisch einen Künstler bejubelt. Und natürlich dessen Leistung. So wie nach der «Tristan»-Wiederaufnahme. Als Christian Thielemann vor den Vorhang tritt, sind alle Strapazen vergessen. Der ganze Saal feiert den Dirigenten, und der – Thielemann bleibt Thielemann – auch sich selbst.
Jedenfalls zelebriert er die zahlreichen Vorhänge, lockt scheinheilig auch noch das zuvor ausgebuhte Regieteam um Katharina Wagner auf die Bühne. Vorhersehbar ohne Erfolg: Das über die Festspielleiterin hereingebrochene Unmutsgewitter war heftig ausgefallen.
Man kann sich da kurz fassen. Kathrina Wagners Inszenierung bleibt auch im zweiten Jahr unbefriedigend. Etwas klarer strukturiert ist der erste Aufzug, im zweiten sehen wir weiterhin eine faschistoide Versuchsanordnung mit tragikomischen Suizidversuchen des Liebespaares. Und der dritte wirkt ob seiner Eindimensionalität erschreckend unreif – Tristan erlebt ...
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Opernwelt September/Oktober 2016
Rubrik: Im Focus, Seite 8
von Alexander Dick
Herr Carreras, war die zweite und letzte Vorstellung von «El Juez» in Wien eigentlich Ihr letzter Auftritt auf der Opernbühne?
Wer sagt das?
Nun, in Ihrem offiziellen Terminkalender tauchen keine Folgeprojekte auf.
Ach, wer weiß. Wenn sich die Gelegenheit ergibt, etwas in dieser Art zu singen, eine Oper, in deren Entstehung ich von Beginn an einbezogen bin, bei der...
Stört es Sie, dass viele Politisches zu Israel von Ihnen hören wollen?
Das war anfangs so und für mich sehr schwer. Ich mag vieles an diesem wunderbaren Land, aber ich habe auch mit vielen Dingen Probleme. Ich fühle mich als Teil der Opposition. Aber so kann man eigentlich nur in Israel selbst auftreten, nicht außerhalb. Also spreche ich lieber über soziale Projekte...
Anfang August hat der Deutsche Bühnenverein mal wieder Zahlen veröffentlicht, die sogenannte Werkstatistik. Die Saison 2014/15 nach Sparten sortiert, in Tabellen quantifiziert, auf 416 Seiten. Neue Einsichten? Nicht wirklich. In der Oper liegen die üblichen Verdächtigen vorn. Allerdings hat Mozart diesmal die Chart-Krone an Verdi verloren. Mit 124...
