Glanz und Elend eines Bauherrn
München hat eine neue Opernformel: Under construction. Staatsopernintendant Nikolaus Bachler gab für seine ersten Festspiele eine Devise aus, die bis in die neue «Lohengrin»-Inszenierung hinüberschwappte. Sie will nach Auskunft des Hauses die schlichte Tatsache als Idee verbreiten, «dass die Kunstform Oper beständig dem Wandel unterworfen ist und immer neu befragt werden muss, also ihrem Wesen nach mit jeder Inszenierung, jeder Aufführung ‹under construction› ist».
Ein eigens errichtetes Zelt auf dem Marstallplatz direkt hinter dem Staatsoperngebäude war zehn Tage lang der Ort für, wie es offiziell hieß, «eine Vielzahl diskursiver und performativer Veranstaltungen».
Bachlers Ehrgeiz ist auch bei seinen ersten Opernfestspielen ersichtlich: Ein Festival als Großevent soll es sein, womit der ehemalige Wiener Burgtheaterchef mit den umliegenden Luxusfestivals zumindest in der Ausstrahlung gleichziehen möchte. Zum ersten Mal wurde eine Festspielpremiere live auf den Münchner Opernplatz übertragen, derweil im National-
theater die illustren Premierengäste aus Politik, Wirtschaft und Medien den gewünschten Glanz verbreiteten.
Gleich zwei Opernpremieren im Abstand von zwei Tagen bestätigten ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Frau Silja, in unserem letzten «Opernwelt»-Gespräch, das 1994 erschien, sagten Sie, es reize Sie auf der Bühne nur noch das «Unmachbare». Was ist das konkret?
Das «Unmachbare» ist nicht erklärbar, ebenso wenig wie die großen Gefühle. Sie trotzdem ohne falsches Pathos umzusetzen, ist für mich das Faszinierende der Oper.
Sie haben sich vor einigen Jahren taufen...
Der Schluss von Mozarts «Idomeneo» ist eine Herausforderung: Was tun mit einer Musik, die einfach weiterspielt, obwohl das Lieto fine längst erreicht ist? Dass die Ballettmusik, die bei der Münchner Uraufführung 1781 vom Fest auf der Bühne zum anschließenden Fest im Saal überleiteten sollte, weit mehr sein kann als ein bloßer Wurmfortsatz, weiß man spätestens seit...
Wenn die Nachricht stimmt, ist es eine gute: Kirill Petrenko soll den Bayreuther «Ring» zum Jubiläumsjahr 2013 dirigieren. Das sagt mehr, als die beiden Halbschwestern, die die Festspiele in diesem Sommer erstmals leiten, sonst im Moment sagen wollen und können. Es bedeutet nämlich, dass Bayreuth bis 2015 glänzend aufgestellt ist, was die Dirigenten betrifft. Die...
