Giordano: La Gioconda
Umberto Giordanos «La Gioconda» mag in puncto Unglaubwürdigkeit der Handlungsabläufe Verdis «Trovatore» oder «Forza» und so manche Barockoper weit übertreffen, uninszenierbar ist sie keineswegs. Aber zunächst einmal müsste der (Bühnen-)Raum stimmig sein. Schwarzes Gusseisen, venezianische Brückenlandschaften, triste Beleuchtung und Nebelschwaden erzeugen keine Atmosphäre, da mögen die Karnevalssequenzen noch so rot leuchten und die Tanzszenen noch so solide choreografiert sein.
Für szenische Logik wäre auch eine Personenführung nötig, die glaubhaft macht, dass die in Text und Musik melodramatisch hervorgekehrten Gefühle – Eifersucht und bitterer Hass, aber auch Liebe als Eros und Caritas – sich zwischen Menschen Bahn brechen und nicht nur zwischen singenden Kostümträgern. Die wirklichen, zu Recht vom Publikum am meisten gefeierten Stars der Aufführung in Barcelona waren denn auch Ángel Corella und Letizia Giuliani mit einem exzellenten Pas de deux zum «Tanz der Stunden», der das Stück freilich genauso sprengte wie die Matrosenszene zu Beginn des zweiten Akts mit barfüßigen und (zur Karnevalszeit im Februar!) großteils halbnackten, muskulösen Statisten, die Segel hissen ...
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Dresden, 12. Oktober 1975: Die Wagner-Fans sind aus dem Häuschen, und die Kritik überschlägt sich in Lobeshymnen. Zu feiern: die Wiedergeburt des längst ausgestorben geglaubten Heldentenors alten Schlages. «Eine regelrechte Entdeckung, die Folgen zeigen wird», heißt es damals im Feuilleton einer DDR-Sonntagszeitung über das «Tristan»-Debüt des bulgarischen Sängers...
Drei «historische» Aufführungen der «Forza» sind derzeit auf DVD erhältlich: der im Bild unzumutbare Mitschnitt vom 15. März 1958 aus Neapel mit Renata Tebaldi, Ettore Bastianini und Franco Corelli (Hardy Classics Video), die Aufzeichnung der Urfassung aus Petersburg unter Valery Gergiev von 1995 in den Bühnenbildern der Uraufführung (Kinowelt), und jetzt bei...
Vielleicht ist «La forza del destino» – obgleich nach dem spanischen Drama «Don Álvaro, o la fuerza del sino» von 1835 komponiert – Verdis radikalste Shakespeare-Oper: Einheit von Ort und Zeit sind aufgebrochen wie nie im Werk dieses immer wieder nach neuen Lösungen suchenden Komponisten. Dralle, burleske Massenszenen wechseln mit hohem tragischen Ton; inbrünstiges...
