Gift für das Klima
Tannhäuser». Wieder einmal. Das Stück scheint dazu angetan, Befindlichkeiten aller Art zu verletzen. In Bayreuth empörte Sebastian Baumgartens Biogasanlage. An der Rheinoper in Düsseldorf brachte Burkhard C. Kosminski mit plakativen Gaskammer- und Erschießungsszenen das Publikum gegen sich auf; Intendant Christoph Meyer knickte ein und stieg auf konzertante Aufführungen um. Kampagnen gegen Aufführungen, die vermeintlich religiöse Gefühle verletzen – auch das ist im Westen nichts Neues.
Wir erinnern an die Affäre um den abgeschlagenen Mohammed-Kopf in Neuenfels’ «Idomeneo»-Inszenierung an der Deutschen Oper Berlin: Wegen Sicherheitsbedenken nahm die damalige Hausherrin Kirsten Harms die Produktion aus dem Programm. Met-Chef Peter Gelb sagte nach Antisemitismus-Vorwürfen die Kinoübertragung der Adams-Oper «The Death of Klinghoffer» ab.
Was unlängst in Nowosibirsk geschah, ist – im Ansatz – also auch in Amerika oder Westeuropa keineswegs unvorstellbar. Regisseur Timofej Kuljabin hatte in seiner «Tannhäuser»-Deutung eine Messias-Filmfigur auftreten lassen, die im Venusberg in Gesellschaft spärlich bekleideter Damen zu sehen ist. Ein verschnupfter Metropolit zeigte die Verantwortlichen ...
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Opernwelt Mai 2015
Rubrik: Magazin, Seite 81
von Wiebke Roloff
Während auf der großen Seebühne gezauberflötet oder in den Tod gesprungen wurde, war das Festspielhaus der Bregenzer Festspiele in der Intendantenzeit von David Pountney (2003 bis 2014) Opernraritäten und Uraufführungen vorbehalten. Zwei Novitäten stachen heraus: Vor fünf Jahren brachte Pountney, 42 Jahre nach der Fertigstellung, die szenische Erstaufführung von...
«Ein Krampf. Ein Schreck. Ein Händedruck.» Es ging um die Uraufführung von Hugo von Hofmannsthals «Elektra», und der Kritiker Alfred Kerr dichtete Schlagzeilen.
Dabei reimte er freilich auf Druck Gluck. Doch die Musik des Ritters war ein Lüfterl im Vergleich zum Orkan, der noch kommen sollte: Richard Strauss funktionierte das Schauspiel, das im Zeichen der...
Er habe «immer ein gewisses Vertrauen zur Oper» gehabt, bekannte Friedrich Schiller einmal gegenüber Goethe. Die kleine Lesegruppe im Café des Theaters Magdeburg teilt seine Ansicht. Tapfer hatte man sich zur Vorbereitung auf den Opernbesuch durch Schillers «Braut von Messina» gekämpft – und das Stück, in dem der Dichter den antiken Chor wiederzubeleben suchte,...
