Gewaltfeuerwerk

Stuttgart, Strauss: Elektra

Opernwelt - Logo

Peter Konwitschny hat in seiner «Elektra»-Inszenierung, die zuerst in Kopenhagen Station machte (siehe OW 4/2005), das Stück als Psychodrama der internalisierten Gewalt gedeutet – eine Lesart, die sich auf Hofmanns­thal berufen kann, dem bei der Niederschrift der Dichtung vorschwebte, den antiken Mythos «aus einem Gegenstand des Bildungsinteresses zu einem Gegenstand der Emotion zu machen». Schockierend ist schon der Auftakt: Konwitschny schickt dem unerbittlich vor den roten Ziffern einer rückwärts laufenden Digitaluhr ab­rollenden Spiel den Mord an Agamemnon voraus.

Die Kinder werden zu Zeugen des Mords, der sie für ihr Leben prägt. Die «Badesargwanne», der darin wie ein Möbel hin- und hergeschobene Tote und das überreichlich an diesem Abend geschwungene Beil sind die sichtbaren Requisiten pathologischer Traumatisierung, die die Atridensippe aneinander kettet. Konwitschny entwickelt ein bald unheimliches, bald groteskes Spiel der gegenseitigen Belauerung von Mutter und Tochter, das unter aktiver Beteiligung des Toten durchaus komödiantische Züge annimmt. Die Uhr läuft ab, als der heimgekehrte Orest den Rachemord an der Mutter vollzieht. Auch wenn Konwitschny sich diesmal nicht ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Januar 2006
Rubrik: Panorama, Seite 47
von Uwe Schweikert

Vergriffen
Weitere Beiträge
Allzu vergnüglich

Der Tenor der Pausengespräche war eindeutig: Selten so gut unterhalten. Stimmt: Regisseur Johannes Schaaf lässt das Personal mindestens ebenso munter wirbeln  wie die Drehbühne. Das Timing stimmt, die Pointen da Pontes und Mozarts werden präzise umgesetzt. Schaut man sich zudem die historisierende Ausstattung von Stefan Aarfing an, fragt man sich, ob denn da noch...

Mehr als bloß das Zwischenspiel

Was verbindet Franz Schmidts Roman­tische Oper in zwei Aufzügen «Notre Dame» mit, sagen wir, Ponchiellis «La Gioconda»? Nicht viel – außer der Tatsache, dass beide Werke trotz einiger Popularität ihr Dasein vergleichsweise unbeachtet in den Nischen des Repertoires fristen, Schmidts Opus womöglich noch unauffälliger als jenes Ponchiellis. Denn populär wurden beide...

Ein Prunkstück, schmählich verschenkt

Enrico Caruso war noch kein Star, als er die Rolle des Federico in Francesco Cileas «L’Arlesiana» übernahm. Die Uraufführung dieser Oper am 27. November 1897 im Mailänder Teatro Lirico, die nicht zuletzt dank seiner Leistung ein großer Erfolg wurde, darf als sein eigentlicher Durchbruch gelten. Die Arie «E la solita storia» zählt seither zu den absoluten...