Getanzte Märchenwelt
In Linz ist Platée nicht nur eine hässliche Sumpfnymphe, wie sie Rameau für sein «Ballet bouffon» aus dem Jahr 1745 geschaffen hatte. In der Inszenierung von Anthony Pilavachi stellt sie eine alte, schlabbrige, unförmige Kröte mit hängenden, warzigen Brüsten, fettigem, klebrigem Haar vor: bekleidet mit einer Oma-Strickjacke und mit Schwimmflossen an den Füßen. Sie wohnt in einer Favela-Bude, die überall von grünem Glibber überzogen ist.
Welch ein Kontrast zur hehren Götterwelt, die sich einen Spaß mit der naiven Nymphe treibt, indem sie ihr vorgaukelt, kein Geringerer als der herrliche Jupiter habe sich in sie verliebt und wolle sie heiraten.
Bei der Uraufführung, die anlässlich der Hochzeit der Prinzessin Teresa von Spanien mit dem französischen Prinzen Louis stattfand, fühlte sich die Festgemeinschaft von diesem Sujet, das ursprünglich als Karnevalsbelustigung gedacht war, ganz und gar nicht amüsiert. Dummerweise konnte sich die Braut auch noch angesprochen fühlen, denn sie soll keine Schönheit gewesen sein.
Pilavachi schafft mit dem hervorragend singenden und agierenden Tenor William Saetre als Platée eine unterhaltsame Mischung aus Komik, Slapstick und getanzter Märchenwelt. ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Erstes Bild: Chopin geht ins Theater
Wir stellen uns die Szene vor. Wie der junge Mann, von der Dominsel kommend, über die Promenade am Festungsgraben schlendert, gedankenversunken. Wie er von dort, Gryphius und Lessing folgend, Alfred Kerr und Theodor Fontane zuvorkommend, in Richtung Altstadt strebt, hin zu der von Altaristenhäusern gesäumten Elisabethkirche...
Auf der Suche nach zu Unrecht vergessenen Werken des französischen Repertoires ist der Nürnberger Intendant Peter Theiler wieder einmal fündig geworden. Die Oper «Moïse et Pharaon», die Rossini 1827 für Paris komponierte, ist zwar kein Originalwerk, sondern eine Bearbeitung des italienischen «Mosè in Egitto», entfernt sich aber weit von der Vorlage. Das biblische...
Zunächst denkt man sich: nicht übel, das alles; aber eben auch naheliegend, das, was man im Vorspiel der «Ariadne auf Naxos» halt so macht, vielleicht beim Komponisten und dem Musiklehrer sogar allzu bewusst ausgestellt. Doch solche Gedanken werden mehr und mehr verscheucht von der Art, wie Strauss' und Hofmannsthals Schöpfung an der Opéra national du Rhin...
