Gesucht: Das Makropulos-Rezept
Im Jahr 1645 kamen die Schweden, um Brünn zu belagern. Der Legende nach wollten sie nach einem letzten Angriff im Fall des Scheiterns zu Mittag abziehen – und die listigen Brünner verlegten einfach während der Schlacht das Mittagsläuten eine Stunde vor. Noch heute läuten hier die Glocken um 11 Uhr. Diesen November kam die Schwedin Gitta-Maria Sjöberg und gab brillant – auf Tschechisch! – eine Figur, die etwa so alt sein dürfte wie die Legende: die geheimnisvolle Emilia Marty in Leos Janáceks «Die Sache Makropulos».
Aus Schweden kam auch der gebürtige Prager David Radok, seit 1996 Erster Regisseur in Göteborg.
Die in den schnellen Dialogen präzise, aber wenig originelle Regie wäre ihm noch besser gelungen, hätte er nicht in Ondrej Nekvasil einen Ausstatter gehabt, dessen größtes Verdienst die gleitende Verwandlung der Hinterbühne im zweiten Akt ins Schlafzimmer der gefeierten Sängerin ist. Dort reißt sich Jaroslav Prus (der sonore Bariton Svatopluk Sem) zum erpressten Beischlaf atemlos die Kleider vom Leib. Der Rezensent hätte sich für den 100-jährigen Prozess, dem die – dank einer Tinktur ihres Vaters, des Hofarztes von Rudolf II. – 300-jährige Elina Makropulos alias Emilia Marty ...
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Opernwelt Januar 2015
Rubrik: Magazin, Seite 70
von Dietmar Polaczek
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