Geschichte als Gegenwart

Zwei Recitals mit Lisa della Casa und Ingrid Bjoner bei Orfeo

Opernwelt - Logo

Bei den großen Sängern der jüngeren Vergangenheit sind zwei Typen zu unterscheiden: die historischen und die zeitlosen. Lisa della Casa, die vor einigen Monaten ihren 90. Geburtstag feierte, gehört zu der zweiten Kategorie. Hört man sich ihre Aufnahmen an, so ist man immer wieder überrascht von der Frische ihrer Stimme und der Gegenwärtigkeit ihrer Interpretationen. Im Alter von 54 Jahren hat sie sich von Bühne und Podium zurückgezogen.

Auch damals hatte ihr Timbre noch die jungmädchenhafte Klarheit und Reinheit, die ihr Markenzeichen war, sich aber mit einer damenhaften Aura glücklich verband. Wohl deshalb wurde Arabella über Jahre hinweg ihre Paraderolle. Selten haben sich bei einer Sängerin Natürlichkeit und Noblesse so idealtypisch vereinigt. Es hat nicht an kompetenten Kritikern gefehlt, die ihrem Vortrag eine gewisse Kühle nachsagten, sogar Defizite im dramatischen Ausdruck festgestellt haben wollten.
Die jetzt von Orfeo vorgelegte Auswahl von Live-Aufnahmen aus der Wiener Staatsoper widerspricht dieser Ansicht. Della Casas Kunst war eine Kunst der Diskretion, deren Fundament die völlige Durchdringung von Text und Musik. Nicht ohne Grund war sie als Lied-Interpretin ebenso ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Mai 2009
Rubrik: Medien/CDs, Seite 24
von Ekkehard Pluta

Vergriffen
Weitere Beiträge
Menschlich, allzu menschlich

Das ganze Drama, die ganze Tragik steckt in drei Takten. Wenn man den Sextaufschwung und den fallenden Sekundschritt abzieht, mit denen die Celli, pianissimo, auf jenen berühmten Akkord hinleiten, den Wagner ins Zentrum seiner symphonisch flutenden «Handlung in drei Aufzügen» stellt, sind es sogar nur zwei Takte, die gleich zu Beginn das fatale Glück Tristans und...

Doppelt zerrissen

«Von fremden Ländern und Menschen» erzählt Robert Schumann in einer seiner «Kinderszenen», Harald Braun intoniert sie an einem Flügel, in dem kurz darauf ein «Flügelwesen» zu verschwinden droht: eine stimmige Art und Weise, einen Abend lang ein Stück Sehnsucht wie «Das Paradies und die Peri» so in der Schwebe zu halten, als gäbe es zwischen Himmel und Erde Dinge,...

Nackte Wahrheit

Nachträgliche Millionenkürzungen des aktuellen Etats, die politisch motivierte Drohung, eine kommissarische Verwaltung zu installieren (mit Streikwarnungen aus allen Gewerken): In die gerade erst angebrochene Morgenröte der römischen Oper haben sich schon wieder düstere Wolken geschoben. Gerade ist dort die zweite Doppelpremiere der Spielzeit «in scena» gegangen....