Gerettet
Dalibor ist gleich Florestan, Milada gleich Leonore, Wladislaw gleich Pizarro, Beneš gleich Rocco: Das Spiel geht – abgesehen von kleineren inhaltlichen Details – fast auf. Weniger mit einem Bedřich Smetana auf Plagiatstrip hat das zu tun, sondern mit dem Genre an sich. Rettungsopern bildeten ab Ende des 18. Jahrhunderts ein eigenes Biotop, behaupten kann sich bis heute nur Beethovens «Fidelio». Das könnte, ja sollte nun anders werden. Smetanas «Dalibor» wurde vom Staatstheater Augsburg dem Archiv entrissen, Frankfurt zieht im kommenden März nach.
Milada will, als Mann verkleidet, ihren geliebten, wegen Mordes verurteilten Dalibor aus dem Kerker befreien. König Wladislaw lässt ihn hinrichten, obwohl sich der Herrscher in einer reichlich späten Aufwallung nach Frieden sehnt. Bei der Revolte gegen ihn kommt auch Milada um. Nicht immer entwickelt sich diese auf Sagenhaftem basierende Handlung ohne Widerhaken, die theaterpralle, effektvolle Musik lässt einen allerdings die Waffen strecken.
Smetanas «Mein Vaterland» hört man deutlich heraus. Und doch darf man das nicht vorschnell unter Nationalpathos verbuchen. Hier erhebt sich kein unterjochtes Volk gegen fremde Mächte, der ...
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Opernwelt Dezember 2018
Rubrik: Panorama, Seite 30
von Markus Thiel
Richard Wagners Wirkung muss magisch-magnetisch gewesen sein, anders lässt sich nicht erklären, dass so viele Menschen sich für seine Interessen einspannen ließen. Die Geldgeber waren die einen, beinahe wichtiger waren für Wagner die Propagandisten seines Werks in Wort und Tat. Ein enormer Kreis, dessen Persönlichkeiten mal mehr, mal weniger bekannt sind. Über die...
Der Schöpfer selbst nannte sein Werk eine «Oper ohne Komponisten». Tatsächlich war es eine Reihe von (ahnungslosen) Tonsetzern, bei denen sich Lorenzo Da Ponte für sein Pasticcio «L’ape musicale» («Die musikalische Biene») bediente. Die Sache erwies sich als so ertragreich, dass er das Potpourri gleich viermal auf die Bühne brachte: in Wien (1789 und 1791), in...
Das Prinzip Hoffnung – es ist noch nicht erschöpft in Alexandra. Obwohl kaum etwas für Aufbruch, Zuversicht, Lust auf Zukunft zu sprechen scheint, wenn man durch die staubigen Straßen dieser Vorstadt fährt. Etwa 200.000 Menschen leben hier auf engstem Raum, viele in notdürftig zusammengeflickten Behausungen aus rohen Ziegeln, Wellblech, Pappe. Wie schon ihre...
