Geometrie der Liebe
So machen’s nicht alle, aber viele. Und natürlich nicht nur Frauen, weswegen der Titel «Così fan tutte» als genderpolitisch heikel gilt. Aber auch «Così fan tutti» würde nicht jede(n) befriedigen, ist doch das «i», das für alle Menschen steht, männlich. Eine Diskussion darüber wäre freilich heute obsolet, denn «Così» spiegelt, wie der Regisseur Joachim Herz einmal feststellte, Gefühle und Verhaltensweisen des 18. Jahrhunderts: die Sprache ist jene Metastasios, wenn auch oft parodiert, und die Situationen folgen Rokoko-Klischees.
Dass es sich bei dem Arrangement zwischen Ferrando, Guglielmo und Don Alfonso um eine typische Pissoir-Wette unter Machos handelt, die immer möglich ist, kann nicht darüber hinwegtäuschen.
Wie dem auch sei: Die Choreografin Anne Teresa De Keersmaeker – die als «belgische Pina Bausch» anzusprechen angeblich nur Lebensmüde wagen – hat sich wie ihr deutsches Äquivalent aufs Panier geschrieben, die Genderverhältnisse geradezurücken. Auch in ihrer Pariser Exegese von Mozarts Oper der (Ver-)Tauscherotik. Ein weißer, beinahe aseptischer Raum, geometrisch strukturiert durch Kreise, Spiralen und Pentagramme, der in reizvollem Kontrast zum Auditorium des Palais ...
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Opernwelt Mai 2018
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 28
von Gerhard Persché
Thielemann & Wagner, Thielemann & Strauss, auch Thielemann & Bruckner – diese Firmenschilder musikalischer Unternehmungen waren bislang eher geläufig. Thielemann & Mahler weniger. Zumindest außerhalb von München. An der Isar hatte Christian Thielemann 2011, noch in seiner Eigenschaft als Chefdirigent der dortigen Philharmoniker, sogar mal die «Symphonie der...
«Ein bisschen absurd» sei die Angelegenheit, sagt er. «Es ist sogar etwas geisteskrank.» Schuld, Sühne, das mag da mitschwingen, wahrscheinlich auch anderes: Stolz. Zwei Premieren innerhalb von drei Tagen, Donizettis «Maria Stuarda» am Münchner Gärtnerplatz (22. März), dann Puccinis «Tosca» bei den Salzburger Osterfestspielen (24. März), das muss Michael Sturminger...
Unbekannte Opern vertragen keine halben Sachen. Nur eine in jedem Detail überzeugende Produktion kann verhindern, dass sie erneut als «zu Recht vergessen» archiviert werden. Florian Ziemen, seit einem halben Jahr GMD in Hildesheim, ging aufs Ganze. Er wählte «Adelia», ein Stück aus Donizettis letzten Lebensjahren – im Bewusstsein, dass dieses selbst einer «Lucia di...
