Gemischter Klang, gespaltene Gefühle
«Diversity of opinion about a work of art shows that the work is new, complex and vital», schrieb Oscar Wilde im Vorwort zu «The Picture of Dorian Gray». Anhänger der neuen Live-Einspielung von Wagners «Ring des Nibelungen» unter Christian Thielemann mögen diesen Aphorismus ins Treffen führen. Zumindest divergieren die Reaktionen auffallend. Dass jedoch solch unterschiedliche Meinungen für Neuheit, Komplexität und Vitalität stehen, erscheint bei dieser Aufnahme eher zweifelhaft. Zu groß ist etwa das Gefälle zwischen Dirigent und Sängern.
Auch aufnahmetechnisch kann man einiges bemängeln.
Schon beim Vorspiel zum «Rheingold», ist man hin- und hergerissen. Ein Meer wie aus Bernstein, schemenhaft darin wie träge Fische die Motivgestalten: Seltsam unbestimmt klingt das Orchester der Wiener Staatsoper, wie mit dem Weichzeichner abgebildet – man muss die Anlage voll aufdrehen, um Details einigermaßen wahrzunehmen. Dies gilt beinahe für die gesamte Tetralogie. Es hört sich an, als hätten Dirigent und Tontechnik es darauf angelegt, den zum Spaltklang tendierenden offenen Graben der Staatsoper zu ignorieren und einen Bayreuth-ähnlichen, gedeckelten (Misch-)Klang herzustellen. Nicht ...
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Opernwelt September/Oktober 2013
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 44
von Gerhard Persché
Welch ein Finale! Ein berückendes Streicherflirren, ein opalisierendes Flimmern, ein Farbenfunkeln im verschwebenden Pianissimo, unterwegs ins Wesenlose. Lautenklang mischt sich drein, Schalmeienton, Oboenkringel, vor allem aber die altertümlich, ja, fast exotisch wirkende Viola pomposa. Und: Frauenstimmen von fern. Ein immerzu changierendes Band der Tonpoesie....
Die handschriftliche Originalpartitur von Verdis «Otello» und eine Druckplatte vom Erstdruck der Partitur seines «Falstaff»: zwei Prunkstücke, die in Berlin noch bis zum
15. September zu bewundern sind (www.enterpriseopera.com). Nachdem Bertelsmann BMG im Jahr 2007 den dreizehn Jahre zuvor erworbenen Verlag Ricordi aus kartellrechtlichen Gründen weiterverkaufen...
Herr Sabadus, wo ist der erste Teil Ihres ursprünglichen Namens Barna-Sabadus geblieben?
Weg ist er. Das Label hat es so gewollt. Die Agentur auch. Barna – so heißt mein Vater, der unter diesem Namen adoptiert worden war. Ich denke: besser der Name kastriert als die Stimme.
Keine Sorge, Ihre Stimme klingt ganz und gar nicht kastriert. Obwohl es heute immer mehr...
