Geisterstunde in der Psychiatrie
Sergej Prokofjew, der belesene Russe und gesellschaftskritische Zyniker, interessierte sich in seinen Bühnenwerken vor allem für den zerstörerischen Amoklauf menschlicher Leidenschaften. Im «Spieler» nach Dostojewskis Roman (1917) lieferte er einen Hauslehrer der unmöglichen Liebe zu einer verwöhnten Frau und dem Spielwahn der dekadenten Gesellschaft aus.
In der wenig später begonnenen Oper «Der feurige Engel», die ihn zehn Jahre lang im westlichen Exil beschäftigen sollte, lotete er in die Tiefen einer weiblichen Seele, in denen, gut freudianisch, vor allem sexuelle Fantasien brodeln. Zweifellos haben diese psychopathische Grundtönung, aber auch Prokofjews unkonventionelle Dramaturgie und seine ekstatische Musik dafür gesorgt, dass der «Feurige Engel» in letzter Zeit ein wenig Konjunktur hat ‒ zuletzt an der Komischen Oper Berlin (inszeniert von Benedict Andrews), demnächst an der Bayerischen Staatsoper in München (Barrie Kosky) und momentan an der Deutschen Oper am Rhein.
Christoph Meyer, der Intendant der Rheinoper mit ihren beiden Häusern in Duisburg und Düsseldorf, engagiert seit seinem Amtsantritt den aus Gelsenkirchen stammenden Immo Karaman als Spezialisten für das ...
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Opernwelt August 2015
Rubrik: Panorama, Seite 39
von Michael Struck-Schloen
Nicola Sani, schon seit April 2011 als direttore artistico verpflichtet, trägt seit dem 5. Februar als Nachfolger von Francesco Ernani die Gesamtverantwortung für das Opernhaus an Bolognas Piazza Giuseppe Verdi – und hat sogleich einen Rekord aufgestellt: Mit einem Jahresgehalt von 110 000 Euro ist er der am schlechtesten bezahlte Chef unter den Leitern der großen...
Um das Essener Aalto-Theater war es ruhig geworden in letzter Zeit. Seit Hein Mulders nach der langen und glanzvollen Ära von Stefan Soltesz mit der Spielzeit 2013/14 die Intendanz des Hauses (und die der benachbarten Philharmonie) übernahm, gab es überwiegend risikoarme Koproduktionen zu sehen, und das wenige Hausgemachte wollte sich nicht recht zu einem neuen...
Es ist etwas faul in der Serenissima. «Silenzio. Mistero», raunt der Chor. Nebelschwaden quellen aus schlierig-grauem Kunstmauerwerk. Fast bis zu den Knien steht das Wasser. Die Gondeln liegen fest vertäut. Der Palast-Container ist verschlossen. Das Innere: ein goldener Käfig. Die Tore öffnen sich nur, wenn Francesco Foscari, der zwischen Familie und Staatsräson...
